In einer amerikanischen Kleinstadt kreuzen sich die Wege von drei Menschen mit ungewöhnlichen Problemen. Carla steht kurz davor, ein eigenes Restaurant zu eröffnen, als ihr Sohn etwas gesteht, das alles auf den Kopf stellt. Reed, ein junger Mann mit Autismus, begibt sich auf eine nervenaufreibende Reise, um den letzten Wunsch seiner verstorbenen Mutter zu erfüllen. Und die erfolglose Musikerin Liz sucht nach einem Weg, ihre Schulden bei einem brutalen Kriminellen zurückzuzahlen. Sie alle haben etwas gemeinsam: Sie wollen die Kontrolle über ihr Leben zurück.
Meine Meinung:
Bei der Leipziger Buchmesse habe ich natürlich auch den Stand des Pendragon Verlages besucht und bin dort ins Gespräch gekommen. Ich habe mich total gefreut, dass sich an mich erinnert wurde, als ich erzählte, dass ich ja letztes Jahr ein paar Bücher für den Verlag gelesen und rezensiert habe.
Und beim Gespräch über die aktuellen Neuerscheinungen fiel mir What about the bodies in die Hände und ich sagte, dass ich dieses Buch definitiv gerne lesen möchte. Überraschend bekam ich das Exemplar direkt als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Darüber habe ich mich sehr gefreut.
Meine Meinung zum Buch wurde hiervon allerdings nicht beeinflusst.
Das Buch ist richtig gut geschrieben. Es ist atmosphärisch, dicht und voller faszinierender Charaktere!
Die Geschichte spielt in einer amerikanischen Kleinstadt und beleuchtet abwechslungsreich und unvorhersehbar die Leben einiger der Bewohner, die in unterschiedlichen Lebenslagen einige spannende und irrwitze Dinge erleben, die ihr weiteres Leben beeinflussen.
Dabei schafft es der Autor, jeder Figur eine ganz eigene Stimme zu geben, wodurch es nie langweilig wird. Durch die kapitelweise wechselnden Perspektiven kommt so eine fesselnde Spannung auf, die bis zuletzt nicht abreißt.
Dieser Kriminalroman gehört mit seinem schwarzen Humor und einigen skurrilen Ereignissen zu meinen Lesehighlights dieses Jahres!
Als ihre Schäferin Rebecca urplötzlich die Europareise abbricht und die Herde rund um Miss Maple zurück in irische Gefilde führt, sind die Schafe zunächst optimistisch wie Frühlingslämmer. Denn wo könnte es schöner sein als auf der Heimatweide?
Auch der jüngste Zuwachs ist gespannt – Madouc, offiziell Ziege, inoffiziell »Schaf auf Probe«, hofft auf viele neue Einblicke in die geheimnisvolle Welt der Schafe. Kaum dort angekommen, ist das Bedauern jedoch groß: Die geliebte Weide ist gar nicht mehr so schön, wie sie es in der Erinnerung war, und obendrein haben drei fremde Schafe mit seltsamen Namen alle Lieblingskräuter weggeknabbert. Als wäre das nicht schon genug, ist Rebecca plötzlich wie vom Erdboden verschluckt. Zurückgeblieben ist nur ein einzelner Finger (kein guter Anfang) und ein geheimnisvoller Brief, aus dem sich die Schafe mangels Vorlesemenschen keinen Reim machen können. Die Herde befürchtet das Schlimmste. Es ist völlig klar: Sie müssen ihre verschollene Hirtin retten. Unversehens finden sie sich in einem Familiendrama wieder, und einmal mehr zeigt sich: Alles ist zu meistern – man braucht nur genügend Wollensstärke!
Warmherzig, klug und voller Witz führt Leonie Swann in ›Widdersehen‹ zurück ins vertraute Glennkill, wo nichts so ist, wie es zunächst erscheint.
Ich war dieses Jahr bei der Leipziger Buchmesse wieder bei der Vorstellung der Herbst-Neuheiten des DuMont Buchverlages. Neben vielen weiteren tollen Titeln wurde auch der Trailer zum neuen Kinofilm Glennkill gezeigt und das dritte Buch der Reihe Widdersehen vorgestellt. Dies rief große Begeisterung hervor. Auch die Tatsache, dass Band 1 und 2 fortan als Taschenbuch im DuMont Verlag veröffentlicht werden, wurde begeistert aufgenommen.
Den Film will ich auf jeden Fall im Kino sehen. Es spielen ein paar meiner Lieblingsschauspieler*innen mit!
Ich fragte anschließend beim Verlag nach, ob ich das Buch auch ohne Kenntnisse der beiden Vorgängerbände lesen kann, und fragte es als Rezensionsexemplar an. Ich habe mich sehr gefreut, als das Buch dann geliefert wurde. Es ist einfach wunderschön! Zusätzlich zu den unterschiedlichen Illustrationen gibt es auch ein Daumenkino rechts unten auf den Seiten, bei dem ein Schaf einen Strohhut aufhebt und damit losgeht. Einfach wollig!
Meine Meinung:
Der Krimi führt die Schafe übers Meer, über alle Berge und sogar bis ins Paradies, in dem es den Schafen allerdings gar nicht gefällt. Sie machen erstaunliche Entdeckungen und einige von ihnen werden sogar zu Heldenschafen. Sie begegnen alten Bekannten, deren Verbindung zu den Vorgängerbänden passend in der laufenden Handlung erläutert werden.
Besonders hervorheben kann man wohl den Wortwitz. So entsteht eine schafstypische Sprache, in der zum Beispiel Worte wie Wollidarität den Zusammenhalt der Herde beschreiben. Und Madouc als Schaf in Ausbildung kennt viele Geschichten und weise Sprüche wie:
„Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen, denn andere Wasser strömen nach.“
Heraklit
Ich kann nur sagen, dass ich diesen Schafskrimi sehr gerne gelesen habe! Die Autorin zaubert mit viel Witz und klugen Beobachtungen einen spannenden und humorvollen Krimi, bei dem natürlich die Schafe die Hauptrolle spielen. Aber auch einige Menschen spielen natürlich eine wichtige Rolle, ohne die die Schafe sicher nicht ihre Weide verlassen oder den blutigen Fall lösen würden.
Gesellschaftskritische Themen werden aus Schafsicht und in pragmatischer Art gelöst. Angst vor den Fremden auf deiner Weide? Kein Problem, stell dich ihnen vor, erfahre ihre Namen und schon brauchst du keine Angst mehr haben, da es ja keine Fremden mehr sind. Ach, wenn wir Menschen uns daran ein Beispiel nehmen würden, wäre die Welt ein schönerer Ort.
Fazit:
Absolut empfehlenswert. Ein fesselnder und atmosphärischer Roman mit überraschenden Wendungen und viel Herz. Meine Mutter lauert schon darauf, das Buch als nächste zu lesen.
Heute berichte ich von meinem Besuch bei der Buchmesse in Leipzig.
Eigentlich wollte ich alle Messetage in einen Bericht packen, aber es gibt wieder viel zu viel zu erzählen und vor allem viel zu viele Fotos zu zeigen.
In diesem Messebericht geht es um die Anreise und den ersten Messetag am 19.03.2026.
Also fange ich mal mit Tag 1 an. Hana, wie die Koreaner sagen.
Übrigens findet Ihr die Berichte von meinem Messebuddy längst in ihrem Blog Mo und die Macht der Buchstaben: Link.
Anreise:
Wie schon letztes Jahr erfolgreich getestet, haben wir die Anreise bereits am Mittwoch gemeistert, um entspannter in den ersten Messetag zu starten. Diesmal machten wir eine kurze Pause an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze bei Helmstedt. Ich kann dort einen Besuch des Geländes des alten Grenzübergangs Marienborn empfehlen. Die ehemaligen Gebäude und das erhaltene Gelände lassen das Ausmaß des Ganzen erahnen. Wir haben aber nach unserem kurzen Stopp die Fahrt fortgesetzt, ohne einen Rundgang zu machen. Als Kind bin ich öfter mit meinen Eltern über die Grenze in die DDR gefahren. Ich habe es damals also noch in voller „Pracht“ erlebt.
Das Hotel:
Wir haben bisher jedes Jahr in einem anderen Hotel genächtigt und sind unserer Tradition treu geblieben. Also haben wir wieder einmal ein neues Hotel kennengelernt. Zunächst habe ich mich sehr willkommen gefühlt, aber mein Messebuddy war ein wenig schockiert, als ich mich freundlich vor dem Herrn am Empfang verneigte. Diese Begrüßung habe ich in den ganzen vier Tagen beibehalten und mich köstlich amüsiert.
Auch das übrige Personal war immer sehr freundlich. Der Gesamteindruck vom Hotel war durchaus positiv, auch wenn wir die Größe des Zimmers für 2 Personen etwas beengt fanden. Nennen wir es liebevoll Schuhkarton..
Um die Koffer auszupacken, war nicht genug Platz. Aber wir konnten sehr gut aus den Koffern leben..
Dafür war an der Sauberkeit und dem Frühstück nichts auszusetzen. Wir haben uns angewöhnt, morgens ausgiebig zu frühstücken, um ausreichend Energie für den Tag zu tanken.
Der freie Blick in gegenüberliegende Zimmer hatte den lustigen Effekt, dass man sich abends quer über den Hof zuwinken konnte. (Also beim Umziehen entweder Licht aus oder Vorhänge schließen!) 😉
Nach dem obligatorischen Einkauf am Nachmittag und einem Abendessen bei unserem asiatischen Lieblingsimbiss gingen wir voller Vorfreude auf den ersten Messetag schlafen. Ich hatte eine relativ erholsame Nacht. Aber Mo konnte leider überhaupt nicht gut schlafen, da sie ein Gefälle in ihrer Matratze spürte. Am Morgen gingen wir auf die Suche und fanden den Grund schnell. Am Kopfende fehlte eine der Rollen unter dem Bettgestell, so dass das Bett tatsächlich in Schieflage stand. Kurzerhand drehten wir das Gestell um und die nächsten Nächte konnte Mo viel besser schlafen. Falls ihr mal Innenarchitektinnen braucht, meldet Euch bei uns.. 😉
Messetag 1:
Ich hatte beruflich eine ziemlich stressige Zeit hinter mir und keine Energie aufgebracht, große Pläne für meinen Messebesuch zu erstellen. Also war mein Vorhaben, jeden Tag spontan anzugehen. Dabei orientierte ich mich an der Planung meines Messebuddys. Wenn sie in einem Termin war, stromerte ich ohne besondere Ziele durch die Hallen und fand mich jeweils an den vorher abgemachten Treffpunkten ein, wenn Mos Termine zu ende waren.
Bloggertreffen Kiwi-Verlag
Am ersten Tag gingen wir zunächst zusammen zum Bloggertreffen vom Kiwi-Verlag, bei dem das Buch Spielverderberin von Marie Menke im Mittelpunkt stand. Die Autorin hatte ihre Lektorin dabei und beide sprachen total fesselnd von der wirklich interessanten Entstehung des Romans. Außerdem hatte ich das Glück beim Bingospielen eine Tüte mit Studentenfutter zu gewinnen.
Das hat total Spaß gemacht und ich freue mich schon darauf, das Buch bald zu lesen. Denn das hört sich absolut klasse an. Auch bei der Fotosession nach der Signierstunde hatten wir eine Menge Spaß.
Nach der Buchvorstellung hatten wir genug Zeit, um entspannt durch die Hallen 2 und 4 zu schlendern. Während Mo dann in ihren nächsten Terminen war (lest dazu unbedingt ihren Bericht!), erkundete ich die Mangahalle, die wie immer in Halle 1 untergebracht war. Besonders die vielen kleinen Künstler*innenstände haben es mir angetan.
Ich geriet in einen kleinen Kaufrausch und kaufte mir unter anderem einige Socken und entdeckte ein Sailor Brot, das natürlich auch mit musste. Dem Herrn an dem Stand habe ich erstmal Yay!There empfohlen. Er hatte gesehen, dass ich Bloggerin bin und fragte, welches Buch ich aktuell empfehlen könnte. (Am nächsten Tag brachte ich ihm einen Flyer vom Hörbuch, den ich von Sonja Rüther bekommen hatte.)
Dann sammelte ich Mo wieder ein und wir verbrachten den restlichen Nachmittag in Halle 3, wo die vielen verschiedenen Stände mit tollen Buchpräsentationen meine Wunschliste anwachsen ließen..
Abendessen:
Am Abend waren wir noch mit Charlotte Charonne verabredet. Wir holten sie in ihrem Hotel ab, das ein wenig außerhalb lag, und fuhren dann gemeinsam in die Leipziger Innenstadt, wo wir in einem vietnamesischen Restaurant richtig leckeres Essen und köstliche Getränke bekamen. Wir hatten zum Glück reserviert, denn das Restaurant war zu recht richtig gut besucht. Charlotte erzählte uns von ihrem spannenden Leben, das sie teilweise in Thailand und China verbracht hat, und welchen Kulturschock sie erlebte, als sie wieder nach Deutschland zurück kam. Da ihre Kinder hauptsächlich in Asien die Schulen besuchten, ist ihre Hauptsprache auch gar nicht Deutsch. Das finde ich so faszinierend. Wir hätten uns noch stundenlang unterhalten können, aber irgendwann musste jede von uns ins Bett, um für den 2. Messetag Kraft zu sammeln.
Originalverlag: Viking, Penguin Random House UK, London
Format: Gebunden in Strukturpapier mit Goldprägung, farbigem Vorsatzpapier und Lesebändchen
ISBN: 978-3-7558-0061-3
Erscheinung: 15.07.2025
Klappentext:
Ein Mann und das Meer
Longferry, England, Sechzigerjahre. Thomas Flett ist Anfang zwanzig und lebt mit seiner Mutter in ärmlichen Verhältnissen. Seinen Vater hat er nie kennengelernt. Die Schule hat er abgebrochen, er verdingt sich als Krabbenfischer: ein Handwerk, das ihn sein Großvater gelehrt hat. Niemand kennt das Meer und seine Gezeiten so gut wie Thomas. Früh am Morgen bei Niedrigwasser fährt er mit Pferd und Kutsche los, um sich den Unterhalt für den Tag zu verdienen, ein Leben von der Hand in den Mund. Heimlich lernt er Gitarre spielen und träumt von Joan, der Schwester seines besten Freundes. Aber für Träume ist kein Platz in Longferry.
Als der amerikanische Regisseur Edgar Acheson in der Stadt eintrifft, wird Thomas’ vermeintlich einfaches Leben erschüttert. Er bekommt eine Ahnung von der großen, weiten Welt, davon, was da draußen auf ihn warten könnte, und schließt Freundschaft mit dem Mann, der in jeder Hinsicht anders ist als er. Ein Funke in ihm ist entzündet – aber nichts ist so, wie es scheint. Nur eines ist sicher: Am nächsten Morgen bei Niedrigwasser wird Thomas wieder dem Ruf des Meeres folgen.
Mit „Der Krabbenfischer“ steht Benjamin Wood auf der Longlist für den renommierten Booker Prize 2025.
Ich freue mich sehr, dass der Roman auf der Longlist für den Booker Prize 2025 steht! Ich bin gespannt, ob er auch auf die Shortlist kommt. Diese wird am 23. September bekannt gegeben.
In der Reado-App habe ich eine Bewertung gesehen, in der das Buch als langweilig beschrieben wird. Aber das finde ich absolut nicht. Es ist keine romantische Komödie mit spicy content und amourösen Verwicklungen. Es ist auch kein blutiger Thriller oder humorvoller Krimi. Aber das alles habe ich auch gar nicht erwartet, als ich den Klappentext gelesen habe. Der und auch das Cover haben mich sehr neugierig auf die Geschichte gemacht und so fragte ich das Buch beim Verlag an. Vielen Dank für das Rezensionsexemplar. Meine Meinung beeinflusst dies aber nicht.
Über das Buch
Die Geschichte handelt von einem jungen Mann, der in den 1960er Jahren für den Lebensunterhalt für sich und seine Mutter tagtäglich ins Watt fährt, um dort dem mühsamen Handwerk des Krabbenfischers nachzugehen. Diese Arbeit hat ihm sein Großvater mehr oder weniger vererbt. Eigentlich wollte Thomas nur seinem Großvater nebenbei helfen und trotzdem weiter zur Schule gehen. Dieses Vorhaben zerschlägt sich allerdings, als sein Großvater, der Vater seiner Mutter, unerwartet stirbt. So bleibt ihm nichts anderes übrig, als selbst Tag für Tag das Pferd anzuschirren und mit dem Karren aufs Watt zu fahren.
Dieser Tätigkeit geht er schon einige Jahre nach, als unvermutet ein Fremder im Dorf auftaucht, der ihn als ortskundigen und erfahrenen Wattführer anheuert. Zunächst sträubt Thomas sich, da er mit seiner Arbeit kaum über die Runden kommt und das Vorhaben für keine gute Idee hält. Doch dann sagt er zu, da er und seine Mutter das zusätzliche Geld gut gebrauchen können.
Ich mochte den Schreibstil, der bildhaft und fesselnd ist, so dass ich nur so durch die Seiten geflogen bin. Es ist eine leise Geschichte voller Atmosphäre und Schönheit. Zwischendurch wird es für Thomas und seinen rätselhaften Begleiter sogar lebensgefährlich, gelangweilt hat mich das Buch also in keiner Weise. Ich wurde sogar von einer skurrilen Sequenz überrascht, die eine traumhafte Note hat.
Durchgehend aus Thomas‘ Sicht erzählt, vermittelt der Roman die tiefen Gefühle und Sehnsüchte des Protagonisten und lässt seine Zweifel und Gedanken über das harte Leben eines Krabbenfischers greifbar werden. Die zwischendurch aufschimmernde Hoffnungslosigkeit über die Sinnlosigkeit des Daseins, die Thomas erfasst, wird durch die Hoffnung auf ein besseres Leben immer wieder erhellt.
Fazit:
Besonders schön fand ich die Verbindung zu dem Liedtext, den Thomas schreibt und habe mir auch das Lied angehört, das auf der Seite des Autors verlinkt ist. Ein wundervolles Gesamtpaket wird einem hier also geboten. Die Poesie der Geschichte, die sich an dem Rhythmus der Gezeiten orientiert und kunstvoll mit der Melodie des Liedes verwebt. Zusätzlich gibt es im Buch auch die Übersetzung zum Liedtext.
Format: Gebunden mit Schutzumschlag und Lesebändchen
Seiten: 352
Erscheinung: 15.07.2025
Klappentext:
Der Sommer der Furien
Ein tragischer Unfall. So nennt es die Presse, als ein Cabrio mitsamt der Insassen an den steilen Klippen der Küste in die Tiefe stürzt. ›Natürlich war das nicht die Wahrheit‹, schreibt die namenlose Erzählerin, die als Einzige weiß, was wirklich geschehen ist, und fügt in ihrem Notizbuch das zusammen, ›was vielleicht schon immer zusammengehörte, ohne dass wir es wussten‹. Sie ist stilsicher und smart, Musikmanagerin, eine erfolgreiche Selfmadefrau, deren Gesicht das Cover der VOGUE-Business ziert. Die Realität hinter den Kulissen ihres beneidenswerten Daseins jedoch ist trist: Ihr Vater ist tot, außer ihrer Mutter, die sich langsam wieder ins Leben kämpft, hat sie keine Familie, und sie selbst glaubt seit geraumer Zeit, nichts mehr fühlen zu können.
Ein Anruf lässt ihr – wenn schon nicht glückliches, so wenigstens stabil geglaubtes – Leben in sich zusammenfallen. Über Nacht setzt sie sich ins Auto und fährt los. Zurück in die trügerisch schöne Stadt am Meer, die sie vor zwanzig Jahren hinter sich gelassen hat. Dorthin, wo eine längst vergessen geglaubte Erinnerung begraben liegt. Dorthin, wo sie einst Alec, eine der Furien, war. Damals war sie siebzehn Jahre alt … Zerrissen und getrieben von dem, was längst vergangen ist, und dem, was nie mehr sein kann, taumelt sie im wachtrunkenen Delirium zwischen Vergebung und Vergeltung durch das, was von ihrem Leben übrig ist – dem Unumkehrbaren entgegen.
Ich habe das Buch in der Verlagsvorschau entdeckt und es einfach mal als Rezensionsexemplar angefragt. Schon das Cover hat mich in seinen Bann gezogen und ich wollte unbedingt wissen, was sich dahinter verbirgt.
Ähnlich geht es einem dann auch mit der Protagonistin, deren Leben nach außen perfekt zu sein scheint. Aber hinter der Fassade lauert ein tief sitzender Schmerz, den die namenlose Ich-Erzählerin gerne mit Alkohol betäubt.
Die Protagonistin lässt uns durch ihre Tagebucheinträge ganz unmittelbar einen anfangs unbeschwerten Sommer ihrer Jugend miterleben. Sie erzählt auch die Geschichten ihrer Freund*innen, die aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten stammen und alle mit verschiedenen Formen von (häuslicher) Gewalt und Vernachlässigung in Berührung kommen, wahre Freundschaft und die erste Liebe erleben.
Diese Rückblicke werden durch ihre aktuellen Erlebnisse und ihre Gedanken erweitert. Sie ist nicht mehr 17 und frisch verliebt sondern fast 40, alleinstehend, erfolgreiche Managerin eines Musikers und wünscht sich sehnlich schwanger zu werden. Als sie erfährt, dass der letzte Versuch wieder nicht von Erfolg gekrönt war, beschließt sie, sich eine Auszeit zu nehmen und in ihren Heimatort zu fahren. Es ist eine Flucht aus dem Alltag und von den Erwartungen, die an sie gestellt werden. Jedoch wird sie bei dieser Reise mit alten, kaum verheilten und verdrängten Wunden konfrontiert.
Die Autorin hat mich mit diesem Roman total in ihren Bann gezogen. Ich wollte stets wissen, was als nächstes geschieht. Trotz der ruhigen Erzählweise, fand ich die Geschichte sehr spannend. Die Mischung aus jugendlicher Freude am Leben, dem heißen Sommer und der Melancholie der einsamen Erwachsenen ist fesselnd und berührend.
Ihre Sprache ist direkt und atmosphärisch. Durch die eindringlichen und bildhaften Beschreibungen konnte ich mir alles nicht nur sehr gut vorstellen, ich hatte das berühmte Kopfkino vor Augen. Teilweise fand ich das Buch fast düster, manche Geschehnisse erschreckend, aber die Protagonist*innen durchweg sehr authentisch.
Beide Zeitlinien haben ihren eigenen Vibe, so dass man nie durcheinander kommt. Außerdem sind die Tagebucheinträge zusätzlich mit einer anderen Schriftart geschrieben, so dass man die vergangenen Geschehnisse daran sofort erkennen kann.
Fazit:
Keine leichte Sommerlektüre, aber mit einem kleinen Hauch Nostalgie.
Jetzt schon ein Sommerhighlight. Wirklich lesens- und empfehlenswert.
Fran führt ein ruhiges Leben in einem einsamen englischen Küstenort, wo das Marschland auf den Ozean trifft. Sie kümmert sich um ihren Sohn Bruno, betreibt eine Wohnwagensiedlung und beobachtet Vögel. Dann verschwindet Brunos Lehrerin und der Ort gerät in Aufruhr: Hat Frans Schwager Ellis etwas damit zu tun? Welche Rolle spielen die Roma, die in der Nähe ihr Lager aufgeschlagen haben? Warum findet Fran mehrere tote Vögel, und was wissen Bruno und seine Cousine Sadie? In einer hypnotischen Prosa erzählt die Autorin die Geschichte einer Frau, die ihre Geheimnisse zu schützen versucht.
»In diesem atmosphärischen Vorstadt-Noir stellt Sophie Morton-Thomas bestehende Vorurteile gekonnt in Frage.« Sunday Times
Meine Meinung:
Ich habe ja Mathilda von Mary Shelley vorgestellt und den Verlag im Beitrag verlinkt. Daraufhin bot mir der Verlag an, mir ein Buch von den kommenden Neuerscheinungen auszusuchen und Das Nest hat mich sehr neugierig gemacht. Also fragte ich es an. Vor ein paar Wochen habe ich es dann erhalten und konnte es jetzt endlich lesen. Ich danke dem Verlag sehr für die Bereitstellung dieses Exemplars. Meine Meinung beeinflusst das nicht.
Das Cover gefällt mir schon sehr und das Buch liegt auch sehr gut in der Hand. Der glänzende Einband macht es etwas schwierig, das Buch zu fotografieren, da sich alles ein wenig darin spiegelt, aber es ist ein absoluter Hingucker.
Zum Inhalt
Zu Beginn der Geschichte steht ein kurzer Prolog, der ein wenig rätselhaft klingt. Aber am Ende ist klar, wer da zu Wort kommt. Das kann ich vorweg nehmen. Das Ende hat mich ziemlich überrascht. Es gibt eine Wendung, die man absolut nicht kommen sieht. Zumindest ging es mir so.
Zunächst beginnt Fran ihre Sicht der Geschehnisse zu erzählen, dann wechselt der Erzähler kapitelweise. Fran hat dabei den größten Anteil. Tad, der zweite Erzähler hat manchmal nur wenige Sätze zwischendurch, die Frans Sicht um einen wichtigen Teil erweitern und uns Lesenden einen etwas größeren Überblick zu verschaffen.
Fran ist eine etwas verträumte, in sich gekehrte Frau, die es liebt, Vögel zu beobachten und sogar eine Beobachtungshütte bekommt. Sie stellt allerdings fest, dass sie den Standort der Hütte verkehrt ausgewählt hat, da die seltenen Zwergseeschwalben im Marschland brüten, so dass sie die Hütte nur selten aufsucht.
Fran berichtet auch von den Eheproblemen mit ihrem Mann, der neuen Lehrerin an der Schule, mit der ihre Nichte nicht zurecht kommt und ihrem Sohn, der wunderschöne Zeichnungen von Vögeln und ihren Nestern anfertigt und ihrem Alltag in ihrer Wohnwagensiedlung. Sie erzählt von den Sorgen um ihre Schwester und deren Lebensgefährten. Das alles überfordert sie, so dass sie häufig ins Marschland verschwindet, um Vögel zu beobachten und so zur Ruhe zu kommen.
Tad ist einer der Roma, die eines Tages auf dem angrenzenden Feld zur Wohnwagensiedlung ihr Lager aufschlagen und erzählt von seinen Beobachtungen der Tätigkeiten der Nachbarn und den Besuchen der Kinder in ihrem Lager. Die Kinder finde ich zwischendurch ziemlich unheimlich. Sie bringen tote Vögel und erzählen, sie hätten sie gefunden und wollten sie heilen. Ihr Verhalten ist mit am verstörendsten im Buch.
Aber..
Ich möchte nicht zu viel erzählen, um zukünftigen Leser:innen nicht die Freude zu verderben, diesen Roman selbst zu entdecken. Mich hat das Buch sehr in seinen Bann gezogen. Ich fühlte mich regelrecht an die Küste versetzt und hätte gerne selbst zwischen den Dünen nach Vogelnestern Ausschau gehalten.
Die Komplexität der Beziehungen der Charaktere untereinander und die Motivationen ihres Verhaltens werden im Verlauf der sich langsam entwickelnden Handlung nach und nach aufgedeckt. Das macht für mich auch den Reiz dieses Buches aus. Nichts hieran ist offensichtlich, alles ist möglich. Mir hat auch sehr gefallen, dass die Roma hier eine vorurteilsfreie und in meinen Augen wertschätzende Beachtung finden.
Der Krimi hat eine besondere Atmosphäre, die permanent einen bedrohlichen Unterton mitschwingen lässt. Es wird viel Raum für Spekulationen gelassen. Langweilig wurde mir während der Lektüre keinesfalls.
Fazit:
Ich kann diesen Roman sehr empfehlen. Die Beschreibungen der Landschaft sind fast poetisch und geben diesem Noir – Krimi den richtigen Rahmen, um das Unbehagen und die Spannungen zu reflektieren. Ich hoffe, ich kann von der Autorin noch viele weitere Bücher lesen.
Ich werde das Buch auf jeden Fall in meinem Lesekreis empfehlen!
Über den Verlag (Auszug)
Seit seiner Gründung 1981 hat sich der Pendragon Verlag stetig weiterentwickelt und ist dabei doch immer seinen Wurzeln treu geblieben. Besonders im Fokus stehen hier Romane, die verschiedene Epochen und Orte der deutschen Geschichte thematisieren.
Doch nicht nur die deutsche Geschichte findet Repräsentation, sondern auch spannende Werke aus anderen Kulturen stehen bei Pendragon im Fokus.
Mit Stephen Crane hat außerdem einer der ganz großen Autoren Amerikas bei Pendragon ein Zuhause gefunden. Viele seiner Werke erschienen als deutsche Erstübersetzungen beim Verlag.
Doch nicht nur die Prosa ist im Verlag gut aufgehoben, sondern auch Lyrik findet sich im Programm. In die magische Welt der Worte entführt Lina Atfah, deren arabische Gedichte in zwei Gedichtbänden kunstvoll auf Deutsch übersetzt wurden. Auch Hellmuth Opitz schreibt in seinen Werken mit poetischen Worten Bilder.
Pendragon ist ein kleiner Verlag mit großer Vielfalt, der übrigens 2020 und 2022 den Deutschen Verlagspreis erhielt.
Der Verlag führt auch einen Blog, den ihr unter diesem Link finden könnt.