Kategorie: Rezension

  • Leserunde und Rezension: Ring The Bells

    Leserunde und Rezension: Ring The Bells

    Infos:

    • Nicht jede Bescherung ist ein Geschenk. The Stranger Times packt aus
    • Teil 5 der Reihe The Stranger Times
    • Autor: C. K. McDonnell
    • Verlag: Eichborn
    • Übersetzer: André Mumot
    • Format: E-Book, 512 Seiten (Hardcover)
    • ISBN: 978-3-7517-8390-3
    • Erscheinungstag: 28.11.2025

    Klappentext:

    Da will man in seinem Buchclub ein wenig Spiritualität ausprobieren und schon hat man aus Versehen den alten Gott Zalas heraufbeschworen. Und Zalas hat natürlich nur eins im Sinn: möglichst viele Gläubige um sich scharen. Doch wer glaubt heutzutage überhaupt noch an irgendwas? Kinder! Mithilfe des unglückseligen Neil Aikens erschafft Zalas ein Winterwunderland, in dem alle Wünsche wahr werden – vom echten Einhorn bis zum Besuch des Opas, der letztes Jahr doch eigentlich das Zeitliche gesegnet hat.

    Diese gewaltige Menge an Magie bleibt nicht lange unbemerkt; und die Zeit drängt, denn wenn die vierte Kerze brennt, sind Zalas und seine Anhänger nicht mehr aufzuhalten. Das Team der Stranger Times muss einen Weg finden, um nicht nur Weihnachten, sondern womöglich die ganze Welt zu retten.

    Das Buchcover ist auf einem E-Book-Reader eingeblendet. Darüber steht weihnachtliche Deko mit verschiedengroßen Hunden und einem Weihnachtsmann mit einem Quietscheentchen in einem Badezuber.
    Link zum Buch

    Meine Meinung:

    Ich habe mich sehr gefreut, als ich zur Leserunde in der Lesejury zugelassen und mir ein Exemplar als E-Book zur Verfügung gestellt wurde. Die Teilnahme an der Leserunde hat mir viel Spaß gemacht. Der Austausch war wertschätzend, aufschlussreich und vor allem kurzweilig. So gingen die 3 Wochen der Leserunde wie im Flug vorbei.

    Dies ist der 5. Band der Reihe. Beim Lesen und Diskutieren in der Leserunde fiel mir auf, dass ich Band 4 zwar schon seit Erscheinen im Regal stehen habe, aber es bisher noch nicht gelesen hatte. Das hat allerdings mein Lesevergnügen in keiner Weise geschmälert. Jeder Band führt die Entwicklung und Abenteuer der Hauptfiguren fort, und man sollte wenigstens Band 1 bereits gelesen haben, um ein grundsätzliches Verständnis für die Welt der Stranger Times aufzubringen. Wer Band 1 mag, wird an den Folgebänden nicht vorbei gehen.

    Zum Buch

    In dieser turbulenten Weihnachtsgeschichte geht es um nicht weniger als die Rettung der Welt vor einem zerstörerischen Gott, was nur die Mitarbeiter der Stranger Times vollbringen können. Dabei sind die liebgewonnenen Charaktere nicht die einzigen, die diesmal Raum in der Geschichte einnehmen.

    Im Prolog wird eine kurze Übersicht über die Geschehnisse der vergangenen Bände geliefert, so dass Fans, die die Bücher vor längerer Zeit gelesen haben, ihr Wissen auffrischen können.

    Mit die witzigsten Szenen handeln vom Gott Zalas, der nach sehr langer Zeit in eine ihm völlig unbekannte Welt voller technischer Spielereien und ignoranter Menschen gerät, die seine Suche nach wahren Gläubigen zu einer harten Prüfung werden lassen. Mit wenigen Sätzen hält uns C. K. McDonnell einen Spiegel vor und öffnet die Augen für die kritikwürdigen Seiten der Weihnachtszeit und ihrer Konsumsucht.

    Neben dem schwarzen Humor und den großartigen Dialogen gibt es auch tiefgründige und berührende Kapitel, die zum Nachdenken anregen. So handelt ein Teil des Buches von den traumatischen Erlebnissen einer beliebten Figur, die die düsteren Seiten des Krieges und seiner Folgen beleuchtet.

    Dabei schafft es der Autor problemlos, auch die ernsten Töne zu treffen und gleichzeitig mit irrwitzigen Plottwist die Erwartungen der Lesenden zu übertreffen.

    Besonders hervorzuheben sind auch in diesem Band die zwischen den Kapiteln vereinzelt eingefügten Zeitungsartikel, die mit ihrem ganz besonderen Humor und den schrägen Storys den Witz von C. K. McDonnell unterstreichen.

    Auch wenn der Showdown zum Ende dann ein wenig unerwartet und leichtfüßig daher kommt, bleiben einige offene Fragen ungeklärt und wecken die Hoffnung auf eine würdige Fortsetzung.

    Fazit:

    Das Buchcover ist auf einem E-Book-Reader eingeblendet. Darüber steht weihnachtliche Deko mit verschiedengroßen Hunden und einem Weihnachtsmann mit einem Quietscheentchen in einem Badezuber. 
Im weißen Randbereich steht der Schriftzug STRANGER TIMES

    Ring the Bells war ein großes Lesevergnügen und passt perfekt in die Vorweihnachtszeit. Die Übersetzung hat einen großartigen Job gemacht und den englischen Humor bestens ins Deutsche übertragen.

    C. K. McDonnell hat einen fantastischen Stil, der sich ein wenig mit Terry Pratchett, Ben Aaronovitch und Derek Landy vergleichen lässt, verleiht Manchester allerdings seinen ganz eigenen Charakter. Ich kam auch in diesem Buch wieder voll auf meine Kosten und freue mich schon, mehr von ihm zu lesen!

    P. S.: Unbedingt die Danksagung lesen!

    Tipp:

    Link zur Rezension Ursula und das V-Team

  • Rezension: Café Finito

    Rezension: Café Finito

    Infos

    • Autorin: Sybil Volks
    • Verlag: C.Bertelsmann
    • Ausgabe: Hardcover, mit Schutzumschlag, 336 Seiten
    • Erschienen am: 01.10.2025
    • ISBN: 978-3-570-10540-5
    Eine Reihe Gräber an einem Fußweg, im Vordergrund wird das Buch vor die Kamera gehalten.
    Link zum Buch

    Klappentext

    Café Finito – wo sich Trauernde und Liebende, Tragik und Komik begegnen. Eine Hymne an die Kraft der menschlichen Gemeinschaft. Ein Roman, der das Leben feiert.

    »Auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin, in Gesellschaft von Deutschlands talentiertesten Toten, stand das Café Finito. Hier versorgte Kristof seine Gäste mit Kaffee, Tee und Torte, und wer es wünschte, bekam eine Portion Sahne und Trost obendrauf. Kristof riss ein Blatt vom Kalender, sein Blick fiel auf das Schild an der Wand, Lost & Found. Er war gespannt auf die Menschen seiner neuen Abschiedsgruppe, die sich heute zum ersten Mal trafen – und auf ihre gemeinsame Reise durch das kommende Jahr. Es war ein Anfang für alle – nach einem Ende, das für sie alles verändert hatte.«

    Kristof ist die Seele des Cafés. Seit vielen Jahren geleitet er die Abschiedsgruppen mit sanfter Autorität durch das Tal der Trauer. Nur über seine eigene weiß niemand etwas. Iris, die Schriftstellerin, hat ihre Mutter verloren, Matthias, Versicherungsmakler, seine Geliebte, Lizzie nach siebzig Jahren ihren Mann, und Mira, die junge Ärztin, trauert um ihre beste Freundin. Sie lassen sich ein auf ein Angebot, das ihnen völlig neue Perspektiven eröffnet.

    Ein hinreißend erzählter, lebenskluger Roman über all das, was Menschen verbindet und das Leben einzigartig macht. Ein wenig Magie kommt ins Spiel. Und wie es sich beim Tod gehört, sitzen Tragik und Komik im selben Boot.

    Für Leser:innen von Mariana Leky, Alena Schröder und Elisabeth Strout – und für all jene, die sich auf kluge Weise mit den großen Fragen des Lebens auseinandersetzen möchten.

    Die Rückseite des Buches mit dem Klappentext.

    Meine Meinung:

    Ich kann dieses Buch unbedingt empfehlen. Sybil Volks hat auf dem Berliner Friedhof, auf dem sie die Handlung spielen lässt, einen ganzen Kosmos zwischen Leben und Tod angesiedelt.

    Die Protagonist*innen sind dabei sehr individuell und bezaubern durch ihre Eigenarten und teils skurrilen Gewohnheiten. Die Autorin erzählt aus diesen unterschiedlichen Perspektiven und gibt jeder Figur den notwendigen Raum. Das verbindende Element ist dabei Kristof, der auf dem Friedhof lebt und arbeitet und hier auch das Café betreibt, in dem er Trauernden ein Jahr lang einen festen Termin anbietet, an dem sie sich untereinander austauschen und Halt geben können.

    Mir gefiel auch der fast märchenhafte Teil mit dem Fest zum Día de los Muertos, das seinen Höhepunkt mitten in der Nacht auf dem Friedhof findet.

    Der Roman behandelt die Themen Trauer und Tod berührend und respektvoll, aber dennoch mit Wärme und Humor und öffnet den Raum für die Gemeinschaft und den Zusammenhalt der Lebenden.

    Ein Buch über Abschiede und den Mut für Neuanfänge, voller Poesie und Fantasie.

    Ich habe gerne meine Zeit mit Lizzie, Iris, Kristof und den anderen Protagonist*innen verbracht.

  • Rezension: Jane Austen

    Rezension: Jane Austen

    Infos:

    • Untertitel: Ihr Leben als Graphic Novel
    • Autorin: Janine Barchas
    • Ausgabe: Hardcover, Pappband, 144 Seiten, durchgehend vierfarbig illustriert
    • Erschienen am: 27.08.2025
    • Originaltitel: The Novel Life of Jane Austen. A Graphic Biography
    • Übersetzung: Aus dem Englischen von Eva Bonné
    • ISBN:978-3-328-60356-6
    • Verlag: Penguin
    • Illustrator*in: Isabel Greenberg

    Klappentext:

    Zum 250. Geburtstag am 16. Dezember 2025: Das Leben der geliebten Literatur-Ikone in zauberhaften Bildern

    Jane Austen wird zur Hauptfigur ihrer eigenen Graphic Novel! Liebevoll gezeichnet und mit großer Detailtreue erzählt dieses Buch von Janes Leben: Als unverheiratete Frau kämpft sie mit finanzieller Unsicherheit und muss sich in einer von Männern dominierten Welt durchsetzen. Mit Witz und Schlagfertigkeit umschifft sie die Klippen der Konventionen und macht sich ihre scharfsinnigen Gedanken über Mode, Literatur und ihre Mitmenschen.

    Wir begleiten Jane und ihre Schwester Cassandra, ihre engste Verbündete, durch das England der Regency-Ära mit seinen strikten Vorstellungen davon, was eine Frau tun sollte (heiraten!) und was sie nicht tun sollte (Künstlerin sein!). Wir sind dabei, wenn »Stolz und Vorurteil«, »Emma« und die anderen berühmten Romane Gestalt annehmen und Jane sich nach Zurückweisungen, Zweifeln und Enttäuschungen über ihre erste Veröffentlichung freuen darf. Zahlreiche Zitate aus den Romanen und Anspielungen auf deren Verfilmungen sind in den bezaubernden Bildern versteckt.

    Für leidenschaftliche Jane-Austen-Fans und alle, die es werden möchten.

    Auf einem gedeckten Tisch mit einer Teetasse und Gebäck liegt das Buch neben einer Karte mit einem Buch-Zitat: "In der ganzen Welt gilt es als ausgemachte Wahrheit, dass ein begüterter Junggeselle unbedingt nach einer Frau Ausschau halten muss."
    Link zum Buch

    Meine Meinung:

    Ich gebe zu, ich habe das Buch beim Verlag angefragt und nicht damit gerechnet, tatsächlich ein Rezensionsexemplar zu erhalten. In diesem Jubiläumsjahr kommt mensch ja kaum an Büchern von und mit Jane Austen vorbei. Daher rechnete ich damit, dass die Rezensionsexemplare längst vergeben wären. Umso mehr habe ich mich dann gefreut, als ich das Buch tatsächlich im Briefkasten hatte.

    Auf einem gedeckten Tisch mit einer Teetasse und Gebäck liegt das Buch. Es ist die Rückseite mit dem Klappentext zu sehen.

    Ich habe es sofort meiner Mutter gezeigt, die auch ein großer Fan ist und sie war mindestens genauso begeistert.

    Das Buch ist einfach wunderschön gestaltet und beinhaltet viele Fakten und Wissenswertes rund um das Leben und die Welt der Autorin, die im Dezember vor 250 Jahren geboren wurde. Mir war zum Beispiel nicht bewusst, dass sie eine große Bewunderung von Shakespeare war und es daher viele Referenzen zu seinen Texten in ihren Büchern gibt.

    Handlung

    Die Handlung ist in drei Abschnitte unterteilt, die Schlaglichter auf jeweils einige Jahre werfen. Der Aufenthalt in Bath in jüngeren Jahren, die Zeiten der Armut und des Mangels nach dem Tod des Vaters und der Umzug nach Steventon und die späteren Jahre in Chawton mit der Suche nach einer Heilung ihrer Krankheit und ihren Tod im Alter von 41 Jahren. Hier habe ich unter anderem auch gelernt, dass Esel keiner Steuer unterworfen waren und die Damen deshalb einen Eselskarren zur Fortbewegung nutzten.

    Wer schon eine der zahlreichen Biografien über Jane Austen gelesen hat, wird hier kaum neue Erkenntnisse gewinnen. Aber mir gefällt der knappe Stil, der durch die Zeichnungen aufs Bezauberndste ergänzt wird. Auch das Farbkonzept – gedeckte Farben für den Alltag der Autorin, leuchtende Farben für Szenen aus ihren Büchern – hat mich überzeugt. So war immer eindeutig unterscheidbar, worum es gerade geht.

    Besonders hervorzuheben ist auch das ausführliche Glossar am Ende, das chronologisch die Fakten aus der Erzählung mit weiteren Informationen ergänzt und erläutert.

    Wer die Bücher kennt, wird viele Zitate in den Texten zu den Illustrationen finden, aber auch Kenner*innen der Filme und Serien können in den Zeichnungen einige (versteckte) Hinweise und Anspielungen entdecken.

    Grundsätzlich kann ich dieses Buch allen Interessierten empfehlen. Wem ausführliche Biografien zu langweilig sind, ist eingeladen, sich hier einen ersten Einblick in das Leben der (in meinen Augen) viel zu früh verstorbenen Jane Austen zu verschaffen. Viele werden sicherlich danach noch tiefer darin eintauchen wollen.

    Ergänzend:

    Besonders faszinierend fand ich das im Buch am Ende erwähnte Onlineportal What Jane saw, auf dem man virtuell zwei verschiedene Gemäldesammlungen besuchen kann, in denen Jane Austen nachweislich im Verlauf ihres Lebens gewesen ist.

    Mein sehr persönliches Empfinden:

    Nach der Lektüre habe ich (erneut) ein großes Bedauern verspürt, dass noch einige Texte unvollendet blieben. Auch die Vernichtung eines Teils der Korrespondenz Jane Austens durch ihre geliebte Schwester Cassandra empfinde ich als großen Verlust, habe jedoch auch Verständnis dafür, das Andenken an ihre Schwester nicht unnötig zu belasten. Es lässt sich aus heutiger Sicht sicherlich schlecht nachvollziehen, aber Jane und Cassandra werden sich darüber bestimmt einig gewesen sein, was erhaltenswert war. Die Lücken in den erhaltenen Briefen und Texten lassen Platz für Spekulationen, die auch in der Graphic Novel thematisiert wurden.

    Diese nimmt sich an der einen oder anderen Stelle künstlerische Freiheiten heraus, die ich allerdings als nicht allzu kritikwürdig empfand. Am Ende wird es anhand der tatsächlichen Ereignisse erklärt.

    Ich habe auch wieder große Lust, mal wieder die Bücher zu lesen, die ich bereits in verschiedenen Ausgaben gesammelt habe.

    Tea-Time
    Auf einem gedeckten Tisch mit einer Tasse Tee und Scones mit Marmelade und Clotted Cream und herzhaften Scones liegt das Buch.

    Die Graphic Novel hat mich auch dazu gebracht, einige der Verfilmungen zu erwerben, die ich bisher noch nicht kannte. So kam es, dass ich einen Filmabend mit meiner Mutter veranstaltet habe. Sie hat dazu einige Leckereien vorbereitet und wir haben eine gemütliche Tea-Party gefeiert, während unsere Männer zum Fußball gegangen sind.

    Auf einem gedeckten Tisch mit Teetassen und Gebäck liegen vier DVDs und das Buch.
    Auf einem Fernsehbildschirm ist eine Filmszene zu sehen.
Im Vordergrund ist ein gedeckter Tisch mit Tee und Gebäck.

    Weitere Rezensionen:

    Virtueller Galeriebesuch:

    Weitere Klassiker:

  • Leserunde und Rezension: Blut und Blümchen

    Leserunde und Rezension: Blut und Blümchen

    Infos:

    Klappentext:

    Nele Blum wagt einen Neubeginn: Im Dörfchen Schönrath im Bergischen Land weckt sie das Gartenlokal „Stiefmütterchens Rast“ aus dem Dornröschenschlaf. Der idyllische Garten ihrer Großeltern, an den sie wunderschöne Kindheitserinnerungen hat, erweist sich als die richtige Wahl: Von der ebenso liebenswerten wie schrulligen Stammbelegschaft der Hortensia wird sie mit offenen Armen empfangen. Und Nele entdeckt schnell, dass sie nicht nur ein unerwartetes Talent als Gastronomin, sondern auch als Detektivin hat. Erik Gertner freut’s – der einzige Polizist des Ortes ist zwar ein lieber Kerl (und gutaussehend), aber nicht unbedingt mit einer Spürnase gesegnet.

    Mord hat immer Saison:

    Nele Blum ist voller Vorfreude: Endlich wird sie das alte Gartenlokal ihrer geliebten Großeltern wiederbeleben! Nur leider liegt eine Leiche darin: Der Wandergeselle Marvin Bär wurde in der Nacht vor ihrer Ankunft ermordet. Klar, dass Nele ein Interesse an der schnellen Aufklärung des Verbrechens hat – schon allein, um die Eröffnung des Lokals nicht zu gefährden. Und so beginnt sie, sich umzuhören. Der Dorfpolizist, Erik Gertner, ist froh über ihre Hilfe. Denn Mord ist nicht so sein Hobby…

    Bis zur letzten Bohne:

    Hochsommer in der Hortensia – Blütenduft und Grillgeruch liegen in der Luft der Gartenanlage. Alle sind entspannt, nur Neles Lieblingsnachbar Bohnen-Karl ist aufgeregt: Die Wahl zum Bergischen Bohnenkönig steht an, und seine diesjährige Ernte hat gute Chancen auf den Hauptgewinn. Doch dann wird ein Toter im Ruderboot am Steg neben Neles Gartenlokal entdeckt – und das beste Tatmotiv hat Bohnen-Karl…

    Ein dicker Fisch:

    Kartoffel-Paul hat Geburtstag und den harten Kern der Hortensianer zum großen Fest eingeladen. Doch als er und Nele zum Angeln auf den kleinen See beim Schrebergarten hinausrudern, geht ihnen neben köstlichem Fisch auch eine frische Leiche ins Netz. Wer ist der Mann im Nadelstreifenanzug? Was macht er im See der Hortensianer? Und welche Rolle spielt das silberne Zigarettenetui dabei, das in seiner Jacketttasche steckt und auf dessen Außenseite ein mysteriöses Fragezeichen eingraviert ist? Während Nele und Erik ermitteln, geraten Kartoffel-Pauls Partygäste in tödliche Gefahr, denn der Mörder geht noch immer um und will seine Geheimnisse schützen.

    Link zur Reihe

    Meine Meinung:

    Ich habe wieder an einer Leserunde in der Lesejury teilgenommen. Diesmal wurden den Teilnehmer*innen die ersten drei Bände einer Krimi-Reihe von Christian Humberg als E-Books angeboten. Jede Woche bekamen wir ein E-Book zugesandt, dass wir dann lesen und worüber wir gemeinsam diskutieren konnten.

    Mir hat es wieder viel Spaß gemacht. Sogar der Autor selbst hat sich unseren Fragen und Anmerkungen gestellt. Das ist immer etwas ganz besonderes, da mensch so einen anderen Blick auf die Geschichte erhaschen kann und sogar Fragen zum Entstehungsprozess beantwortet bekam.

    Bei den drei Krimis handelt es sich um relativ kurze, aber nicht weniger gehaltvolle Geschichten. Dabei verdichtet der Autor die Handlung auf die wichtigsten Elemente, um den jeweiligen Mordfall aufzuklären. Dennoch nimmt er sich ausreichend Zeit und Raum, um die Interaktionen mit- und die Beziehungen der Protagonist*innen untereinander weiterzuentwickeln.

    Band 1

    ‚Mord hat immer Saison‘ führt Nele Blum als Rückkehrerin in die Kleingartenanlage ein. Sie will ihr bisheriges Leben in der Großstadt hinter sich lassen und neu anfangen. Da kommt es ihr gelegen, dass das ehemalige Lokal ihrer Großeltern noch keine neuen Pächter hat. Doch der Neueröffnung steht zunächst ein Leichenfund in der Einliegerwohnung über dem Lokal im Weg. So lernt sie den Polizisten Erik Gertner kennen und hilft ihm durch einige Zufälle bei der Lösung des Mordfalls.

    Neben diesem Ermittlerduo ist die Geschichte gespickt mit skurrilen und mitunter überzeichneten Charakteren, die einen wichtigen Teil des Ganzen ausmachen. Der Schreibstil hat mir sehr gefallen. Er ist bildhaft und humorvoll, was einen Cosy Crime ausmacht. Sprichwörter und Beschreibungen sind auf das Gartenthema ausgerichtet. Das rundet den Krimi vorzüglich ab.

    Ich habe beim Lesen des ersten Bands irgendwie immer an ‚Mord mit Aussicht‘ und ähnliche Serien gedacht. Das war ja auch ziemlich bunt und chaotisch. Und so habe ich mir das hier irgendwie auch vorgestellt. Ich sehe Band 1 als Einführung der wichtigsten Figuren, die in den Folgebänden sicher noch
    mehr Raum einnehmen werden.
    Der Schreibstil ist locker und humorvoll, die Sprache ist bildhaft und die kurze Geschichte hat alles, was sich ein*e CosyCrime-Leser*in wünscht. Skurrile Charaktere, sonderbare Mordfälle und kurzweilige Ermittlungen. Es ist nicht immer alles ganz logisch oder realitätsnah, aber das wird bei dieser Krimiform auch nicht erwartet.
    Alles in allem eine schöne Lektüre für Zwischendurch, besonders wenn man dabei gemütlich im eigenen Garten sitzen kann.

    Band 2

    Der 2. Band hat mich von Anfang an etwas irritiert. Im ersten Band ging es um eine Leiche. In Band 2 wird erzählt, es hätte nach mehreren Wochen oder Monaten mittlerweile schon haufenweise Mordermittlungen gegeben, dennoch beginnt Nele zum ersten Mal damit, Erik Gärtner zu duzen. Und die Auflösung des Falles hat mich doch auch etwas ratlos gemacht. Habe ich etwas überlesen, dass Nele plötzlich so schnell auf den wahren Täter kam? Das Ende war für mich nicht ganz nachvollziehbar, aber bis dahin fand ich den Ermittlungsverlauf logisch und fesselnd.

    Auch sonst war es wieder eine cosy Geschichte, vor allem die Dynamik der ganzen Kleingärtner*innen untereinander gefällt mir. Band 2 fand ich nicht so stark wie Band 1, aber finde die Geschichte dennoch gut lesbar. Als humorvolle Vorabendserie, die auch nicht immer alles ganz logisch nachvollziehbar oder ganz stimmig erzählen, wäre der Plot durchaus geeignet.

    Band 3

    Bleibt noch mein Eindruck von Band 3. Dieser Teil hat mir von den drei Geschichten am besten gefallen. Die Geschichte ist abwechslungsreich, hat genau wie die Vorgänger einen bildhaften Schreibstil, und ist voll von amüsanten Zitaten und Sprichwörtern, die zum Gartenthema passen.

    Der Mordfall ist spannend und lädt wieder zum Miträtseln ein und es ist im Ganzen eine runde Geschichte, die mich wirklich gut unterhalten konnte. Besonders die Entwicklung der Protagonist*innen wird in den Vordergrund gestellt.

    Auch in Band 3 gibt es wieder ein paar kleine Logik- oder Anschlussfehler. Vor allem der Umgang mit der Leiche, dem Tatort und möglichen Spuren könnte echte Ermittler*innen stören. Aber als unterhaltsame Lektüre mit Humor und Eigenwilligkeit funktioniert dieser Band vorzüglich.

    „Die Hortensia war ein ganz eigenes Fleckchen Erde, mit eigenen Regeln, eigenen Typen und einem eigenen Verständnis von Normalität. Was anderswo schräg oder skurril anmuten mochte, war hier nicht selten Alltag.“

    Die Bücher sind unabhängig voneinander lesbar, bauen aber locker aufeinander auf.

    Ich fände es schön, wenn zusätzlich noch das eine oder andere Rezept zu Neles Gerichten ans Ende der Bücher gesetzt würde. Das wäre das Bienchen auf der Kirschblüte, um mal einen Gartenvergleich zu strapazieren.

  • Rezension: Der Penis-Fluch

    Rezension: Der Penis-Fluch

    Infos:

    • Untertitel: Männer sind arme Schweine – Es gibt keine Hoffnung, aber wir dürfen sie nicht aufgeben
    • Verlag: Penguin
    • Themenbereich: Gesellschaft und Sozialwissenschaften – Psychologie
    • Genre: Sachbücher / Politik, Gesellschaft & Wirtschaft
    • Format: Softcover, 288 Seiten
    • Ersterscheinung: 13.08.2025
    • ISBN: 9783328107774

    Klappentext:

    Emotionen, Depressionen, gesellschaftliche Erwartungen: Kult-Comedian Schlecky Silberstein über
    die Fallstricke eines erschütterten Rollenbildes und die große Bürde, ein Mann zu sein

    »Mein Name ist Schlecky Silberstein und ich leide an der sexuell übertragbaren Krankheit Mann. Wohnhaft im Prenzlauer Berg, versuche ich das richtige Leben im falschen zu führen, aber es ist hart: Die Identitätssuche des verzweifelt modernen Mannes gleicht der Quadratur des Kreises; wie auch immer ich mich zu meinem Geschlecht positioniere, ich mache es falsch. Mannsein ist ein Fluch, der uns als Hauptgewinn verkauft wird – so wie jede gekonnte Verarsche …«

    Schlecky Silberstein seziert sein eigenes Geschlecht schonungslos und ohne Rücksicht auf Verluste. Denn was viele nicht ahnen: Männer sind noch viel schlimmer als ihr ohnehin schon ramponierter Ruf. Schlimm bedeutet dabei: dumm, kriminell, suchtanfällig, manipulativ und selbstzerstörerisch. Was immer der orthodoxe Feminismus Männern vorwirft, es ist nur die Spitze des Eisbergs. Und so absurd es klingt: Männer sind selbst die größten Leidtragenden des Patriarchats!

    Ehrlich und ungeschönt berichtet der Comedian aus seinem Leben als Mann. Von dem unmöglichen Unterfangen, eigenen Ansprüchen und gesellschaftlichen Erwartungen gerecht zu werden. Von Selbstzweifeln, Depressionen und dem Ringen um seine Identität. Sein Fazit: Hilfsprogramme für Männer sind dringend notwendig …

    Ein Bild von großen Plüschpenis-Figuren, die in einem Jahrmarktsautomaten stehen. 
Das Buch wurde im Vordergrund eingefügt.
    Link zum Buch

    Meine Meinung:

    Wer glaubt, hier ein Buch voller Witze zu lesen, irrt sich.

    Schlecky Silberstein erzählt mit Humor, Selbsterkenntnis und vielen biologischen und evolutionär erklärbaren Tatsachen und Studienergebnissen unterlegt, warum Männer sind wie sie sind.
    Hier zieht er oft eigene Erinnerungen an seine Kindheit und Jugend als Beispiele heran, aber kann vieles auch wissenschaftlich untermauern.

    Manche Formulierung hat mich zwar auch irritiert, manchmal musste ich aber auch schmunzeln.
    Nach der Lektüre dieses Buches, verstehe ich ein kleines bisschen besser, warum wir in einem Patriarchat leben.
    Der Autor schreibt nicht langweilig und verpackt wissenschaftliche Fakten kurzweilig und lesenswert. Oft sind seine Beobachtungen und Thesen treffend und legen einen Finger in zweifellos tiefe Wunden der Männlichkeit.

    Der Satiriker und Autor hat viel recherchiert zu diesem Buch. Und als Vater zweier Söhne wünscht er sich, dass die Menschheit es schafft, sich von den gewalttätigen und diskriminierenden Seiten des Mannseins zu befreien, damit alle Menschen ein besseres Leben führen können.

    Ich kann das Buch jederman(n) als Lektüre empfehlen. Ich finde das Buch lesenswert und horizonterweiternd.

    Weitere interessante Bücher:

  • Rezension: Pagans

    Rezension: Pagans

    Infos:

    • Titel: Pagans – Ein Killer. Zwei Cops. Hunderte Götter
    • Untertitel: Spannende Mörderjagd in einem alternativen England
    • Autor: James Alistair Henry
    • Übersetzer: Dietmar Schmidt
    • Verlag: Lübbe
    • Format: E-Book
    • ISBN: 9783751784023
    • Erscheinung: 29.08.2025

    Klappentext:

    Saturday-Times-Bestseller

    Eine fremde Welt. Und doch vertraut. Und sehr, sehr tödlich

    England, heute: Ein modernes Land, doch die industrielle Revolution hat hier nie stattgefunden. Stattdessen stammen alle technischen Errungenschaften von der weitaus fortschrittlicheren Südhalbkugel. Auf den britischen Inseln leben Kelten, Sachsen und Pikten in einem brüchigen Frieden zusammen. Regelmäßig gibt es Versuche, die Insel zu einem »United Kingdom« zu vereinen. Ausgerechnet zu solch einem Zeitpunkt wird die Leiche eines keltischen Diplomaten aufgefunden, brutal angenagelt an einen uralten Baum. Die sächsische Ermittlerin Aedith und der keltische Inspektor Drustan werden trotz aller Gegensätze und Konflikte gemeinsam auf den Fall angesetzt. Können sie den Täter fassen, bevor er die Friedensbemühungen zunichte macht und das Land ins Chaos stürzt?

    »Eines der besten Debüts seit Langem. Henrys Mischung aus Alternativwelt-Elementen und klassischem Krimi ist innovativ, unterhaltsam, bissig und sehr oft sehr lustig.« The Financial Times

    Das Cover des Buches ist auf einem E-Book-Reader zu sehen.  Dieser liegt auf einem gehäkelten Poncho und ist umgeben von verschiedenen Schmuckstücken, die thematisch zum Buch passen. Der Krimi ist Teil einer Alternativgeschichte.
    Link zum Buch

    Meine Meinung:

    Für mich ist das Buch eines meiner Jahreshighlights und ich will definitiv mehr aus dieser Welt lesen!

    Der Autor hat eine diverse und reiche Welt geschaffen, die einerseits komplett erfunden ist, andererseits Parallelen zu unserer Welt hat. So gibt es eine industrielle Entwicklung, nur hat die nie im europäischen Raum stattgefunden. Die hochentwickelten Länder stammen aus dem afrikanischen oder asiatischen Raum und das Christentum wurde nie zur vorherrschenden Religion in großen Teilen der Welt. Dadurch blieben die verschiedenen Glaubensrichtungen in den einzelnen Teilen der britischen Inseln erhalten und entwickelten sich bis in die heutige Zeit weiter. Zwischen den Völkern gibt es Spannungen. Die Länder wurden nie zu einem Großbritannien vereint und begegnen sich mit Vorurteilen und Misstrauen. Daher wird Drustan, ein keltischer Ermittler in den sächsischen Teil geschickt, als ein keltischer Diplomat ermordet wird, um die Ermittlungen zu begleiten. Er begleitet Aedith Mercia, die nicht nur Kriminalkomissarin ist, sondern auch die Tochter eines hochrangigen Mitglieds der Gesellschaft der Sachsen.

    Altertum trifft Moderne in einer alternativen Welt

    Der ganze Aufbau der Welt ist komplex und gespickt mit fremdartigen Begriffen, die ganz am Ende des Buches in einem Glossar erläutert werden. Handys werden Mobifone genannt. Das Netzwerk, über die Kommunikation und soziale Medien laufen, wird Graswurzelmedien genannt. Auch werden bekannte Worte, wie Yarl, Triskele oder Torque verwendet. Die Vermischung von Altertum und Moderne finde ich besonders faszinierend an der Geschichte.

    In diese alternative Welt ist der spannende Kriminalfall eingebaut, der aus der Suche nach einem Serienmörder, aber auch aus der allgemeinen Bedrohungslage durch Proteste gegen Verhandlungen um die Vereinigung der Königreiche der Inseln besteht.

    Teilweise ist das Buch mit schwarzem Humor geschrieben, teilweise gibt es ordinäre Ausdrücke und Gewalt. Man findet auch hier und da Gesellschaftskritik, anhand historischer Völker und Kulturen, die als führende Gesellschaft agieren und nicht in anderen Völkern aufgegangen sind, wie es in unserer Realität der Fall ist. So spielt der Autor gekonnt mit Traditionen, Vorurteilen und kulturellen Eigenarten und webt einen bunten Flickenteppich.

    Mir haben die Protagonisten richtig gut gefallen. Allen voran Drustan und Aedith. Aber auch Nebencharaktere wie Banba oder Hilde würde ich gerne in einem weiteren Abenteuer begleiten.

    Irgendwie mochte ich auch den geheimnisvollen Fenryr. Von dem würde ich in einer Fortsetzung gerne wieder lesen.

    Das Ende lässt mich ein wenig auf eine Fortsetzung hoffen. Darin würde ich gerne einen Blick auf das größere Ganze werfen. In diesem Buch liegt der Fokus auf der angelsächsischen Seite der Welt mit kurzen Einblicken in die Einflüsse aus anderen Ländern. Gerne würde ich mehr über Panafrika und die übrigen Kontinente erfahren. Welche Sprachen werden weltweit gesprochen? Wie ist die Weltordnung im Ganzen aufgebaut? Was sind die gesellschaftlichen und politischen Grundlagen, nach denen die Menschen leben? Pagans hat vieles angedeutet und oberflächlich umrissen. Da wäre in einer Fortsetzung definitiv noch viel Raum, um diese Themen zu vertiefen und der Welt eine größere Substanz zu verschaffen.

    Fazit:

    Der Autor hat eine abwechslungsreiche, originelle Geschichte geschrieben, die ich sehr empfehlen kann.