Rezension: Nudel im Wind von Jürgen von der Lippe

Rezension: Nudel im Wind von Jürgen von der Lippe

Klappentext:

Besser gut abgehangen als zu früh gekommen: Jürgen von der Lippes Romandebüt

Neulich sagte meine Frau zu mir: «Warum schreibst Du nicht endlich mal was mit Niveau? Ich würde gerne mal eine welthaltige, vielschichtige Romanhandlung von Dir lesen, ein Panoptikum an Figuren, eine ausgebuffte Mischung aus Action und Reflexion, Gesellschaftskritik und psychologischem Tiefgang, vielleicht sogar auch eine raffiniert eingebaute Krimihandlung, meinetwegen gern auch mit ein bisschen geschmackvoll beschriebenem Sex gewürzt, mach doch, Du kannst das!» Und ich setzte mich an mein Notebook und schrieb: «Ich möchte Ihnen eine ziemlich unglaubliche Geschichte erzählen. Ich weiß, das ist kein glücklicher Anfang für ein Buch, das seine Leser vom ersten Satz an in den Schwitzkasten nehmen und bis zum letzten Wort nicht mehr rauslassen soll. ‹Sie hatten ihm die Kehle durchgeschnitten und ihn dann im Urinal ausbluten lassen› ist da schon ein anderes Kaliber, aber in der Welt der sinnlos waltenden rohen Kräfte bin ich nicht so zu Hause wie in der Psyche der Sanftmütigen, Unscheinbaren mit ihren kleinen liebenswerten Macken. Menschen wie Gregor und sein Hund Waldmeister…»

Hardcover mit Schutzumschlag, 240 Seiten, erschienen im Penguin Verlag

Link zum Buch

Meine Meinung:

Ich habe das Buch über das Bloggerportal erhalten. Dafür bedanke ich mich herzlich.
Meine Meinung hat die Bereitstellung des Rezensionsexemplars allerdings nicht beeinflusst.

Die Geschichte ist erfrischend, humorvoll und unvorhersehbar.
Der Autor schafft es, jeder Figur Leben einzuhauchen und verwebt eine spannende Geschichte, die überraschend endet. Die Kapitel sind jeweils einem Protagonisten zugeordnet, wobei es auch kurze Abschnitte gibt, in denen er dem Leser einen Einblick in den Schreibprozess gewährt, bei dem seine Frau versucht sich einzumischen und etwas mehr Niveau einzubringen. Diese Abschnitte waren mit die lustigsten.
Das Buch ist eine treffende Satire, die die Fernsehmacher und ihre Sendeformate aufs Korn nimmt.
Man bekommt einen spannenden Einblick hinter die Kulissen von Scripted Reality Formaten und wird dabei bestens unterhalten, da es komplett fiktional ist.
Möglich, dass hier der nächste Blockbuster des deutschen Kinos geschaffen wurde.
Ich konnte mir die Schauplätze und die Handlung sehr gut vorstellen, die Protagonisten waren mir sympathisch und ich fieberte und rätselte gespannt mit.
Bis zuletzt ist beispielsweise nicht klar, wer der geheimnisvolle B. mit der sadistischen Ader ist.
Die Auflösung dieser Frage hat mich dann doch überrascht. Ich war mehr als einmal auf der falschen Fährte.

Einzelne Szenen fand ich allerdings ein wenig zu ausführlich, aber das liegt daran, dass ich Beschreibungen von Boxkämpfen und Kochsendungen nicht sonderlich viel abgewinnen kann. Die ausführliche Beschreibung von Kochrezepten, vor
allem mit der Verwendung von Meeresfrüchten interessieren mich nicht. Daher habe ich diese Abschnitte eher überflogen.
Ansonsten trifft das Buch genau meinen Humor.

Jürgen von der Lippe hat eine abwechslungsreiche Geschichte mit Krimi-Elementen geschrieben, die man guten Gewissens weiter empfehlen kann.
Ich werde mir auf jeden Fall noch das Hörbuch kaufen, das der Autor selbst eingelesen hat.

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