Schlagwort: Rezensionsexemplar

  • Rezension: Clara und die Poesie des Lebens

    Rezension: Clara und die Poesie des Lebens

    Infos:

    • Autor: Stéphane Carlier
    • Aus dem Französischen von Lina Robertz
    • Verlag: C. Bertelsmann
    • Originaltitel: Clara lit Proust
    • Originalverlag: Gallimard, Paris 2022
    • Hardcover mit Schutzumschlag
    • 208 Seiten
    • 7 farbige Abbildungen
    • ISBN: 978-3-570-10542-9
    • Erschienen am  15. November 2023
    Das Buch liegt umgeben von Dekoration auf einer einfarbigen Unterlage. In dem Buch geht es um eine französische Friseurin, die ihre Liebe zu Marcel Proust und der Kunst entdeckt.
Poesie, Proust, französischer Roman
    Link zum Buch

    Klappentext:

    Manchmal liegt deine ganze Welt in einem einzigen Buch …

    Claras Leben verläuft Tag für Tag in denselben Bahnen. Als Friseurin in einem kleinen, altmodischen Salon irgendwo in Frankreich hört sie sich geduldig die Geschichten ihrer Kundinnen und ihrer chronisch unzufriedenen Chefin Madame Habib an. Zu Hause verbringt sie geruhsame Abende auf der Couch mit ihrem Freund und ihrer Katze, die sich partout nicht streicheln lassen will. Doch dann vergisst eines Tages ein Fremder, dem sie gerade die Haare geschnitten hat, sein Buch im Salon. Marcel Proust. Clara, die eigentlich überhaupt nichts mit Literatur am Hut hat, beginnt zu blättern, liest, liest weiter … bis zur letzten Seite. Und sie merkt, dass dieser Proust, diese Geschichte etwas in ihr auslöst, dass nach dieser Lektüre in ihrem Leben nichts mehr so sein wird wie vorher …

    „Proust … Noch vor nicht allzu langer Zeit war das für sie ein fast schon mythischer Name, geheimnisvoll und exotisch wie manche Orte – Capri, Sankt Petersburg – wo man niemals gehofft hatte, auch nur einen Fuß hin zu setzen.“

    Wunderschön illustriert und edel ausgestattet: Das ideale Geschenk für alle Sinnsuchenden und Literaturliebhaber!

    Das Buch liegt umgeben von Dekoration auf einer einfarbigen Unterlage. In dem Buch geht es um eine französische Friseurin, die ihre Liebe zu Marcel Proust und der Kunst entdeckt.
Poesie, Proust, französischer Roman

    Meine Meinung:

    Ich habe mal wieder auf der Verlagsseite gestöbert und mich direkt in das Cover verliebt. Freundlicherweise wurde mir dann auch noch ein Exemplar zum Rezensieren zur Verfügung gestellt, obwohl das Buch bereits im November erschienen ist. Dies hat meine Meinung allerdings nicht beeinflusst.

    Die Geschichte erzählt von der Entwicklung der jungen Frau Clara, die in einem Friseursalon arbeitet und der sich durch die Entdeckung Marcel Prousts und seines Werkes eine neue Welt und ein anderer Blick auf ihr Leben öffnet.

    Das Buch liest sich in einem Rutsch durch. Es ist bildhaft und leicht lesbar und passt in jede Handtasche. Außerdem macht es neugierig auf das Werk von Marcel Proust, das die Protagonistin durch Zufall zu lesen beginnt und nach einem etwas schwierigen Start nicht mehr aus der Hand legen kann. Sie liest nächtelang und verpasst sogar ihre Haltestelle, weil sie das Buch so fesselt! Sogar Spaziergänge mit ihren Eltern und ihrem Freund umgeht sie mit Ausreden, nur um ganz in Ruhe weiterlesen zu können. (Irgendwie habe ich mich da direkt selbst erkannt.)

    Das Erzähltempo ist ruhig und durchaus fesselnd. Die Protagonisten fand ich sympathisch.

    Durch die kurzen Kapitel kann man das Buch auch mal nur kurz zur Hand nehmen, wenn man gerade nicht viel Zeit zum Lesen hat. Unterteilt ist das Buch in 4 Abschnitte. Der vierte Abschnitt ist ein kurzer Epilog, der kurz anklingen lässt, wie sich Claras Leben weiter entwickelt hat. Ohne diesen Epilog hätte die Geschichte allerdings auch ein rundes und schlüssiges Ende gehabt und Raum für die Fantasie des Lesenden gelassen.

    Besonders zauberhaft finde ich die Illustrationen.

    Ich bin jetzt auch neugierig auf die Bücher von Marcel Proust. Allerdings schreckt es mich doch ein wenig ab, dass die im Buch genannte Reihe über 5.000 Seiten (!) hat.

    Ich war auch der Ansicht, dass ich bereits etwas von Marcel Proust gelesen hatte und habe in meinen Bücherregalen nach einem Buch gesucht, aber dann fiel mir ein, dass ich es von einer Dame aus dem Lesekreis ausgeliehen hatte. Und der Autor hieß Marcel Pagnol. Naja, nah dran.

    Bei Gelegenheit werde ich mich mal näher mit Marcel Proust befassen. Danke für den Anreiz, Monsieur Carlier!

    Fazit:

    Ich werde das Buch in meinem Lesekreis empfehlen. Durch die ansprechende Optik eignet es sich auch besonders als Geschenk für Bücherliebhaber*innen.

    Das Buch liegt umgeben von Dekoration auf einer einfarbigen Unterlage. In dem Buch geht es um eine französische Friseurin, die ihre Liebe zu Marcel Proust und der Kunst entdeckt.
Poesie, Proust, französischer Roman

    Weitere Rezensionen:

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  • Rezension: Betrug

    Rezension: Betrug

    Infos:

    • Titel: Betrug
    • Autorin: Zadie Smith
    • Originaltitel: The Fraud – A novel
    • Aus dem Englischen von Tanja Handels
    • Verlag: Kiepenheuer & Witsch
    • Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag, 528 Seiten
    • ISBN: 978-3-462-00544-8
    • Erschienen: 02. November 2023

    Klappentext:

    Die gefeierte Bestsellerautorin Zadie Smith überrascht mit einem literarischen historischen Roman, der sich um einen der bekanntesten Gerichtsfälle Englands dreht: Der Tichborne-Fall, der Arm gegen Reich aufwiegelte.

    London 1873. Mrs. Eliza Touchet ist die schottische Haushälterin und angeheiratete Cousine des einstmals erfolgreichen Schriftstellers William Ainsworth. Eliza ist aufgeweckt und kritisch. Sie zweifelt daran, dass Ainsworth Talent hat. Und sie fürchtet, dass England ein Land der Fassaden ist, in dem nichts so ist, wie es scheint. 

    Mit ihrer Schwägerin besucht sie die Gerichtsverhandlungen des Tichborne-Falls, in der ein ungehobelter Mann behauptet, der seit zehn Jahren verschollene Sohn der reichen Lady Tichborne zu sein. Andrew Bogle, ehemaliger Sklave aus Jamaika, ist einer der Hauptzeugen des Prozesses. Eliza und Bogle kommen ins Gespräch und der Wahrheit näher. Doch wessen Wahrheit zählt?

    Basierend auf realen historischen Ereignissen ist »Betrug« ein schillernder Roman über Wahrheit und Fiktion, Jamaika und Großbritannien, Betrug und Authentizität und das Geheimnis des Andersseins.

    Auf dem Buchcover, das in Blau- und Gelbtönen gehalten ist, sieht man zwei Männer und verschiedene Teelöffel.
    Link zum Buch

    Meine Meinung:

    Ich habe das Buch als Rezensionsexemplar beim Verlag angefragt, weil mich das Cover sofort angesprochen hat. Auch der Klappentext machte mich neugierig und ich habe mich sehr gefreut, als der Verlag mir ein Buch zur Verfügung stellte. Dies beeinflusst meine Meinung allerdings nicht.

    Die Erzählung liest sich zunächst wie bei Jane Austen und anderen Autor:innen der Zeit als Familiengeschichte, die in einem begrenzten Rahmen spielt, geht aber bald darüber hinaus und beleuchtet auch die Geschichten weiterer Protagonisten. Dabei fließt die Handlung zwischen der Gegenwart rund um Mrs. Touchet und ihrem Leben als Haushälterin bei einem Schriftsteller, ihrem angeheirateten Cousin, der seine erfolgreichsten Bücher vor langer Zeit geschrieben hat, und verschiedenen Figuren, die mit der Gerichtsverhandlung um den Betrugsfall zusammen hängen. Außerdem wechselt die Handlung zu Geschehnissen der Vergangenheit, die etwa 30 Jahre zurück liegt. Dabei folgt man in den 1830er Jahren Mrs. Touchet als junger Witwe und reist mit dem Sklaven Bogle aus den Kolonien nach England.

    Die Autorin schafft es, mich mit ihrer, der Zeit angemessenen, Sprache zu fesseln und erzeugt in mir Bilder einer vergangenen Epoche. Man wirft einen Blick auf verschiedene Gesellschaftsschichten und ihre Sichtweisen. Die Protagonisten sind teilweise bekannte Figuren der Geschichte, teilweise kommt auch das „einfache Volk“ zu Wort. Der Roman ist vielschichtig und originell, aber manchmal auch ein wenig ausschweifend. Aber das macht den Reiz dieses Buches aus. Man kann es nicht mal eben so weg lesen, sondern muss eine gewisse Aufmerksamkeit aufbringen.

    Die Autorin baut Themen wie Menschenrechte, Kolonialismus, Frauenrechte und Rassismus in eine faszinierende Geschichte ein. Man kann viele Parallelen zur heutigen Zeit finden, fühlt sich aber dennoch gut unterhalten. Gerade die unterschiedlichen Zeitebenen und die teils sehr kurzen Kapitel sorgen für Abwechslung und Spannung.

    Ich werde von Zadie Smith sicher noch weitere Bücher lesen. Sie hat bereits gefeierte zeitgenössische Romane veröffentlicht und ist mit Betrug einem historischen Gerichtsfall nachgegangen, der schon zu seiner Zeit für Aufsehen sorgte und der Beweis dafür ist, dass Populismus und Fake-News keine neuzeitliche Erfindung sind.

    Einige Kritiker schreiben, dass die Autorin in diesem Buch sprachliche Schwächen zeigt, die allerdings an der gewählten Zeit liegen, in der sie selbst nicht verhaftet ist. Daher bin ich gespannt, wie mir ihre früheren Werke gefallen mögen. Da ich diese bisher nicht kenne, kann ich bisher keine Vergleiche ziehen. Betrug gefällt mir sehr gut.

    Eine weitere Rezension, die im viktorianischen England spielt:

    Miss Elizas englische Küche

  • Rezension: Moorland

    Rezension: Moorland

    Infos:

    • Titel: Moorland – Plädoyer für eine gefährdete Landschaft
    • Autorin: Annie Proulx
    • Originaltitel: FEN, BOG, & SWAMP. A short History of Peatland destruction and its Role in the climate crisis
    • Originalverlag: Simon & Schuster, New York
    • Aus dem Amerikanischen von Thomas Gunkel
    • Hardcover, Pappband, 256 Seiten, 4 s/w Abbildungen
    • ISBN: 978-3-630-87726-6
    • Erschienen am  11. Oktober 2023

    Klappentext:

    Pulitzer-Preisträgerin Annie Proulx über die Schönheit und Gefährdung eines einzigartigen Ökosystems. – »Bestes Buch des Jahres.«
    The New Yorker

    Pulitzer-Preisträgerin und passionierte Umweltschützerin Annie Proulx erzählt von der Schönheit und Magie der Moorlandschaften – und von der Gefährdung dieses unterschätzten, aber einzigartigen Ökosystems. Sie begibt sich auf eine faszinierende Reise in die Torfmoore Englands, in die endlos weiten Feuchtgebiete an der kanadischen Hudson Bay, die schwarzen Wasser der sibirischen Wassjuganje und in die heißen Sümpfe Floridas. »Moorland« ist ein mitreißend erzähltes, leidenschaftliches Plädoyer für den Kampf gegen den Klimawandel. »Ein bestechend schönes, kluges Buch, das Ihnen die Augen öffnen wird.« The Telegraph

    Heute möchte ich ein Buch empfehlen, in dem es um die Sümpfe, Moore und Feuchtgebiete der Welt geht: Moorland von Annie Proulx. Das Buch ist in einem dunklen Grau mit weißer und gelber Schrift. Es ist eine Moorlandschaft angedeutet.
    Link zum Buch

    Meine Meinung:

    Wer denkt bei Mooren nicht an Der Knabe im Moor von Annette von Droste-Hülshoff? (Was, Du kennst es nicht? Dann folge gerne diesem Link.)

    Moore sind in der allgemeinen Vorstellung düstere, unheimliche Orte, in denen einen Geräusche und Lichter in die Irre führen können.

    Aber nach der Lektüre des Buches muss ich auch an die Vielfalt und den fruchtbaren Lebensraum für viele Tiere und Pflanzen denken, der leider an sehr vielen Orten bereits durch landwirtschaftliche oder gewerbliche Bebauung zerstört wurde.

    Heute möchte ich ein Buch empfehlen, in dem es um die Sümpfe, Moore und Feuchtgebiete der Welt geht: Moorland von Annie Proulx. Das Buch ist in einem dunklen Grau mit weißer und gelber Schrift. Es ist eine Moorlandschaft angedeutet.

    Annie Proulx beschreibt in ihrem Buch einen umfassenden Überblick über die weltweiten verschiedenen Moorlandschaften und Feuchtgebiete. Dabei schlägt sie einen Bogen über die Archäologie, Ökologie, Biologie und Literatur.

    Das Buch ist grob in drei Abschnitte unterteilt: Nieder-, Hoch- und Waldmoore. Dabei überschneiden sich die verschiedenen Landschaftsformen in den Kapiteln, so wie sie auch in der Natur oft eng verwoben sind.

    Die Autorin hat versucht, möglichst wenig wissenschaftliche Ausdrücke zu verwenden, um den LeserInnen die Lektüre verständlich und leichter zugänglich zu machen. Trotzdem gelingt es ihr, viel Wissenswertes und Lehrreiches in dieser Essaysammlung näherzubringen.

    Am Ende gibt es noch einen Abschnitt mit einigen Erläuterungen und Quellenangaben.

    Fazit:

    Ein unbedingt lesenswertes und wunderbares Buch, das ich sehr empfehlen kann.

    Die bildhafte Sprache und der eindringliche Ton wecken in mir den Wunsch, noch möglichst viele Moore kennen zu lernen und zu bereisen. Gleichzeitig hoffe ich, dass Renaturierung und Erhalt der Feuchtgebiete weltweit gelingen.

    Weitere Rezensionen von mir:

  • Rezension: Innehalten, Masche halten

    Rezension: Innehalten, Masche halten

    Infos:

    • Wie Stricken unsere Seele wärmt – Ein inspirierendes Buch zum Wohlfühlen und Verschenken.
    • Originaltitel: Det blå garnet
    • Autorin: Karin Erlandsson
    • Deutsche Erstausgabe
    • Übersetzt von Holger Wolandt, Lotta Rüegger
    • Blanvalet Verlag
    • Erschienen: September 2023  
    • 176 Seiten

    Klappentext:

    Eine inspirierende Geschichte zum Wohlfühlen – nicht nur in der kalten Jahreszeit.

    Stricken ist eine uralte Kunst, mit der man nicht nur wunderbare Kleidungsstücke schaffen, sondern auch die Welt verändern kann. Denn gerade in Zeiten, in denen die Welt ins Wanken gerät, bringt uns die Beschäftigung mit der Wolle, den Mustern und den Nadeln dazu, innezuhalten und die innere Balance wiederzufinden. In diesem ganz persönlichen Memoir erzählt Karin Erlandsson ihre eigene Strickgeschichte und darüber hinaus, wie wichtig das Thema von seinen Anfängen bis hin zur Gegenwart ist. Denn: Frauen, die stricken, veränderten schon immer die Welt – und ihren eigenen Lebensweg. Nachahmung dringend empfohlen!

    Link zum Buch

    Meine Meinung:

    Das Buch liegt auf einem persönlichen Brief der Autorin, dabei liegen die Anleitung und die Wolle mit der Stricknadel.

    Ich habe das Buch beim Stöbern im Bloggerportal entdeckt und konnte einfach nicht anders. Als einigermaßen geübte Strickerin musste ich dieses Buch einfach anfragen. Und stellt Euch die Überraschung vor, als das Paket ankam und darin nicht nur das Buch enthalten war!

    Vielmehr hat das Team vom Bloggerportal sogar ein Knäuel Wolle, eine Rundstricknadel sowie eine Anleitung zum Stricken einer Buchhülle beigelegt!

    Ich habe mich sehr darüber gefreut!

    Leider bin ich keine so schnelle Strickerin, so dass ich das Ergebnis, also die fertig gestrickte Buchhülle nachreichen werden muss. Ich hoffe, ich bekomme es hin. Aber Übung macht die Meisterstrickerin. 😉

    Das Buch liegt neben der angefangenen Strickarbeit, die etwas unsauber gearbeitet scheint.

    Das Buch bietet einen interessanten und abwechslungsreichen Überblick über die Geschichte des Handarbeitens, insbesondere über das Stricken. Dabei bettet die Autorin die Statistiken und Fakten in anekdotische Erzählungen über ihr Leben als Autorin und Strickerin ein und erzählt von blauer Wolle, die sie für einen Pullover gekauft hat, aber den sie lange nicht beginnt. Zum Ende erfährt man dann, ob sie den Pullover überhaupt beendet hat.

    Teilweise berichtet sie aus ihrer Kindheit und was sie im Zusammenhang mit Wolle und Stricken in ihrem Leben bereits erlebt hat, erzählt aber auch von Familienmitgliedern und Freunden.

    Dabei fesselt sie durch berührende und humorvolle Anekdoten. Ihr Schreibstil ist bildhaft und gut lesbar.

    Ich hätte aber gerne ab und zu ein Bild von den durchaus gut vorstellbar beschriebenen Strickstücken gesehen. Nicht alles, was beschrieben wurde und was ich im Internet dann gesucht habe, konnte ich finden. Durch eine Bebilderung wäre das Buch absolut noch aufgewertet worden.

    Fazit:

    Eine kurzweilige Lektüre, die mit vielen interessanten Fakten aufwartet und Interesse an der weiteren Beschäftigung mit der Thematik weckt.

    Das Buch wird in die Höhe gehalten. Im Hintergrund stehen Schafe auf einer von Büschen bestandenen Wiese.
    Einige Bobbel als dekorativer Hintergrund zum Buchpaket.

    Andere Rezensionen von mir:

  • Muna oder Die Hälfte des Lebens

    Muna oder Die Hälfte des Lebens

    Infos:

    • Autorin: Terézia Mora
    • Luchterhand Verlag
    • ISBN: 978-3-630-87496-8
    • Roman
    • Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2023
    • Originalausgabe
    • 448 Seiten
    • Hardcover mit Schutzumschlag
    • Erschienen: 30. August 2023

    Klappentext:

    »Ich weiß, was du willst«, sagte er. »Du bekommst es nicht.« – Der neue große Roman der Georg-Büchner-Preisträgerin und Gewinnerin des Deutschen Buchpreises.

    Muna liebt Magnus. Ob und wen Magnus liebt, ist schwer zu sagen. Was geschieht mit einem Leben, das man in Abhängigkeit von einem anderen führt? Muna steht vor dem Abitur, als sie Magnus kennenlernt, Französischlehrer und Fotograf. Mit ihm verbringt sie eine Nacht. Mit dem Mauerfall verschwindet er. Erst sieben Jahre später begegnen sich die beiden wieder und werden ein Paar. Muna glaubt, in der Beziehung zu Magnus ihr Zuhause gefunden zu haben. Doch schon auf der ersten gemeinsamen Reise treten Risse in der Beziehung auf. Im Laufe der Jahre nehmen Kälte, Unberechenbarkeit und Gewalt immer nur zu. Doch Muna ist nicht gewillt aufzugeben.

    Das Buch steht auf einem Fahrradsattel und lehnt an einem Gitterzaun. Im Hintergrund ist ein alter Container und ein weiteres Fahrrad zu sehen.
Heute erzähle ich von einem Roman, der mich nachhaltig bewegt hat. Die Geschichte einer Frau und ihrer großen Liebe. Muna Roman Rezension Luchterhand
    Link zum Buch

    Meine Meinung:

    Cover und Klappentext haben meine Neugier geweckt und ich habe mich sehr gefreut, als mir der Verlag ein Leseexemplar zur Verfügung stellte.

    Anfangs musste ich mich erst an den Schreibstil gewöhnen, da die Autorin keine wörtliche Rede verwendet, bzw. diese nicht durch die entsprechende Zeichensetzung ausweist. So brauchte ich ein paar Seiten, bis ich mit dem besonderen Tonfall des Buches zurecht kam. Aber sobald ich diese Hürde genommen hatte, war ich gefesselt.

    Eine weitere Besonderheit in diesem Buch ist, dass die Ich-Erzählerin Dinge, die sie nur denkt oder anderen doch nicht mitteilt, für die Leserinnen dennoch niederschreibt. Es sind teilweise Passagen durchgestrichen, die sie gerne geäußert hätte, aber dann aus unterschiedlichen Gründen doch anders formuliert oder nicht sagt/schreibt. Gedanken sind in Klammern geschrieben und so als solche zu erkennen. Dies ist ein kluges Vorgehen der Autorin, die uns so einen tieferen Einblick in die Gefühle und Gedanken der Protagonistin ermöglicht.

    Dadurch entsteht eine emotionale Nähe zu Muna, die mich oft mit ihr mitleiden ließ. Warum lässt sie so vieles zu, was ihr schadet und gar nicht gut tut? Die Autorin schafft es, dass man dran bleibt an Muna und ihrer Lebenshälfte. Das Buch beginnt um ihren 18. Geburtstag, kurz vor dem Mauerfall. Muna wächst in der DDR bei ihrer verwitweten Mutter auf, die Schauspielerin am Theater und Alkoholikerin ist. Kurz nach dem 18. Geburtstag versucht ihre Mutter sich das Leben zu nehmen, was allerdings nicht gelingt. Muna ist also von klein auf mit Brüchen in ihrem Leben konfrontiert. Sie kann im Theater ein und aus gehen, wächst in Künstlerkreisen auf und studiert nach dem Mauerfall auch im Ausland. Sie hat wechselnde Männerbekanntschaften, kann aber nicht ihre Liebe zu Magnus vergessen, der sie nach einer gemeinsam verbrachten Nacht kurz vor dem Mauerfall verlässt, um von seinen Eltern loszukommen.

    Munas Vater ist früh gestorben, Magnus wuchs bei einem kontrollsüchtigen und gewalttätigen Vater auf. Beide haben also keine einfache Kindheit gehabt. Einige Jahre nach dem Mauerfall treffen sie sich zufällig wieder und obwohl Magnus abweisend und schroff ist, gibt Muna ihre Liebe nicht auf und folgt ihm quer durch die Welt, gibt sich nach und nach auf, ist emotional abhängig von Magnus und erfährt seelische und körperliche Gewalt.

    Beim Lesen habe ich Muna bewundert, bedauert und konnte mich nicht abwenden. Zu stark ist die Anziehungskraft, die die Autorin bei mir auslöste. Auch die psychologische Tiefe und die Art des Erzählens machen den Reiz dieses Buches aus. Zudem sind sämtliche Charaktere, die ihren Platz in diesem Buch finden, teils skurril, teils faszinierend und manchmal herrlich seltsam.

    Es ist ein wundervoller und vielschichtiger Roman, der meiner Meinung nach den Buchpreis verdient hätte.

    Noch eine Notiz zur Bedeutung des Namens Muna: munyah bzw. muna kommt aus dem Arabischen und bedeutet der unerreichbare Wunsch, der ersehnte Wunsch, die Hoffnung, die Sehnsucht.

    Das Buch liegt auf einem Fahrradsattel vor einem Gitterzaun. 
Heute erzähle ich von einem Roman, der mich nachhaltig bewegt hat. Die Geschichte einer Frau und ihrer großen Liebe. Muna Roman Rezension Luchterhand

    Weitere Bücher aus dem Luchterhand Verlag:

    Kasse 19

    Kleinstadtfarben

    Dinosaurier auf anderen Planeten

    Ton für die Götter

  • Rezension: Ton für die Götter

    Rezension: Ton für die Götter

    Infos:

    • Autorin: Anuradha Roy
    • Verlag: Luchterhand
    • Originialverlag: Mountain Leopard Press / Welbeck, London
    • Originaltitel: The Earthspinner
    • Aus dem Englischen von: Werner Löcher-Lawrence
    • Hardcover mit Schutzumschlag, 288 Seiten
    • ISBN: 978-3-630-87720-4
    • Erschienen am 14. Juni 2023

    Klappentext:

    Als der Töpfer Elango eines Morgens aus einem wilden Traum erwacht, weiß er, dass sich sein Leben für immer verändert hat. Er muss der Botschaft, die ihn erreicht hat, Gestalt verleihen – egal, von wem sie stammt, ob es die Hindu-Götter oder alte Töpferlegenden waren, die ihn von einem Pferd in Flammen träumen ließen, das den Ozean durchstreift. Er muss ein großes Terrakotta-Pferd schaffen! Und er muss es für Zohra tun, eine Muslimin, die er schon lange liebt, obwohl diese Liebe immer noch ein Tabu ist in Indien. Auf der anderen Seite der Welt, im kalten, nassen England, ist derweil auch für Sara das Töpfern überlebenswichtig geworden: Sie hat bei Elango gelernt, und jetzt, in einem unwirtlichen, ihr fremden Internat, ist es ihre einzige Verbindung zur verlorenen Heimat.

    Zwischen Ost und West bewegt sich dieser Roman, zwischen alten Mythen und neuen Ideen. Und er erzählt von der Kraft des Schöpferischen in einer Welt, in der viel zu viele Menschen unter den Folgen von Fanatismus und Engstirnigkeit leiden.

    » ›Ton für die Götter‹ ist ein Roman, den man, einmal angefangen, nicht mehr aus der Hand legen kann.«

    Simone Hamm / WDR 3 (19. Juni 2023)
    Im Bild sieht man einige getöpferte Gegenstände, zwischen denen das rezensierte Buch liegt. Zwei der Gegenstände habe ich selbst getöpfert: eine kleine Schale und einen Pilz, der farblich perfekt zum Buch passt, das in Magentafarben geradezu leuchtet.
    Link zum Buch

    Meine Meinung:

    Ich habe das Buch im Bloggerportal entdeckt und musste es einfach anfragen. Ich töpfere selbst gerne und konnte es kaum erwarten, die Geschichte über einen Töpfer und seine Schülerin zu lesen. Als ich dann aus meinem Urlaub nach Hause kam, wartete das Buch bereits auf mich und ich konnte es fast sofort anfangen zu lesen. (Vorher habe ich natürlich erst meine aktuelle Lektüre beendet, wie ich das immer mache. Ich lese einfach ungerne mehrere Bücher parallel.)

    Zu Beginn des Buches erzählt die Ich-Erzählerin Sara in Tagebuchform von ihrer ersten Zeit im fremden England zu Beginn ihres Studiums. Im folgenden Abschnitt wechselt die Erzählung dann fließend zwischen personaler und auktorialer Perspektive und der Ich-Erzählerin. Dies macht allerdings beim Lesen keine Schwierigkeiten, da man immer genau weiß, um wen es gerade geht und wann und wo man sich befindet.

    Die Sprache ist bildhaft, poetisch und fesselnd. Die Schicksale der einzelnen Protagonisten sind berührend und spannend. Dabei wird die Handlung nicht hektisch erzählt, sondern unaufgeregt und ruhig.

    Anhand einer Liebesgeschichte nimmt uns die Autorin mit in das Indien 70er und 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts und beschreibt die politischen und religiösen Konflikte am Beispiel einer Dorfgemeinschaft am Rande einer wachsenden und sich ausdehnenden Stadt. Es gibt viele Parallelen zur heutigen Zeit und man möchte schreien bei so viel Ungerechtigkeit, Hass und Zerstörung. Aber es gibt auch so viele schöne und warme Momente des Zusammenhalts und der Liebe.

    Wunderbar beschrieben finde ich nicht nur die Liebesgeschichte, die Landschaft und das Verhältnis der Menschen untereinander. Es sind viele kleine Teile, die die Geschichte gekonnt verbinden und das mir fremde Land in mein Kopfkino holt. Beispielsweise wenn der Töpfer seinen Ton aus dem Teich fischt und nach und nach zur großen Pferdeskulptur verarbeitet. Oder wenn der fast blinde Kalligraph mit dem Hund Chinna durch die Straßen zu seiner alten Arbeitsstelle spaziert. Oder wenn Sara die Entfremdung zu ihrer jüngeren Schwester Tia beschreibt und erklärt, wie es dazu kommen konnte. Auch die mit der Zeit verschwundenen Traditionen rund um die Töpferei und mit damit verbundenen religiösen Festen in dem Dorf vervollständigen das Buch in meinen Augen zu einem Gesamtkunstwerk, das es wirklich zu lesen lohnt.

    Am Ende möchte ich einfach noch weiter mit Sara an der Uni bleiben und an der Töpferscheibe arbeiten. Zum Schluss kommt noch einmal Chinna zu Wort, was einen etwas melancholischen, aber auch friedlichen Abschluss bildet.

    Ich kann dieses Buch einfach nur empfehlen. Es hat mir sehr gefallen!

    Fazit:

    Dieser Roman steht nicht auf tönernen Füßen.

    Das Buch liegt mit der Rückseite nach oben auf einer Schicht Rindenmulch, darüber steht ein kleines getöpfertes Pferd.
    Das kleine Pferd hat meine Nichte vor Jahren getöpfert. Ich dachte, es passt einfach perfekt zum Buch.

    Weitere Bücher aus dem Luchterhand Verlag:

    Kasse 19

    Kleinstadtfarben

    Dinosaurier auf anderen Planeten