Schlagwort: Bloggerportal

  • Rezension: The Dinner List von Rebecca Serle

    Rezension: The Dinner List von Rebecca Serle

    Klappentext:

    Es beginnt wie in einem Traum. Um halb acht Uhr abends betritt Sabrina ein New Yorker Restaurant, um nach guter alter Tradition mit ihrer besten Freundin Jessica Geburtstag zu feiern. Als sie durch die Tür tritt, traut sie ihren Augen nicht: Neben Jess erwarten sie dort in bester Feierlaune Sabrinas ehemaliger Philosophie-Professor, ihr Vater, ihr Ex-Verlobter Tobias – und Audrey Hepburn. Sie alle sind Wunschgäste einer geheimen Liste, die Sabrina vor langer Zeit anfertigte. Sabrina ist verzaubert und verwirrt, ihren Vater hat sie seit 20 Jahren nicht gesehen und Tobias, ihre große Liebe, stahl sich urplötzlich aus ihrem Leben. Darf sie auf eine zweite Chance hoffen? Und dann ist da ja auch noch Audrey Hepburn …

    Meine Meinung:

    Ich habe das Buch über das Bloggerportal bei Randomhouse erhalten. Dafür möchte ich mich noch einmal sehr bedanken. Meine Meinung hat dies aber nicht beeinflusst.

    Das Buch beginnt ein wenig verwirrend, da Sabrina genauso verwirrt erscheint. Sie erwartet eigentlich nur ihre beste Freundin, mit der sie sich zum Dinner verabredet hat, aber zusätzlich sitzen noch gänzlich verschiedene Menschen mit am Tisch, die so gar nicht zusammen passen. Zuallererst sitzt Audrey Hepburn am Tisch, was ja im 21. Jahrhundert nicht möglich sein kann, da sie längst verstorben ist. Außerdem trifft sie auf ihren Vater, der sie verlassen hat, als sie noch klein war und an den sie sich kaum erinnern kann und ihr ehemaliger Verlobter Tobias, mit dem sie im Streit auseinander gegangen war, was aber erst später zur Sprache kommt. Neben ihrer besten Freundin Jessica sitzt dann auch noch ihr ehemaliger Professor mit am Tisch. Sabrina ist zunächst irritiert, aber sie selbst hat ja vor vielen Jahren die Liste mit Menschen erstellt, mit denen sie gerne mal zu Abend essen möchte.

    Das Buch erzählt in wechselnden Kapiteln von diesem Abendessen und wie Sabrina und Tobias sich kennen lernten und ein Paar wurden und wie sie versuchten, ihr gemeinsames Leben zu bewältigen.

    Audrey Hepburn und der Professor sind dabei sowas wie Mentoren und Vermittler zwischen den übrigen Menschen am Tisch, mit denen Sabrina ins Reine kommen soll. Sie bereichern die Unterhaltung auch mit Geschichten aus ihrem eigenen Leben. So erzählt die Geschichte vom Verlassenwerden, vom Verlust geliebter Menschen und der Vergebung. Es geht um verpasste Möglichkeiten und Reue und um die Chance auf einen Neuanfang.

    Der Schreibstil ist fesselnd und leicht lesbar. Die Liebesgeschichte ist traurig und wunderschön zugleich, melancholisch und doch hoffnungsfroh. Das Buch hat viel in mir ausgelöst. Es hallt nach und ich möchte es gerne noch einmal lesen.

    Es ist wirklich zu empfehlen und sehr lesenswert. Es entwickelt eine Tiefe und einen Sog, der über das Maß „normaler“ Liebesgeschichten hinaus geht.

    Allerdings möchte ich eine Warnung aussprechen für Menschen, die gerade noch an dem Verlust eines geliebten Menschen zu knabbern haben. Es gibt Stellen im Buch, die nicht leicht zu lesen und emotional sehr fordernd sind. Daher denke ich, dass es nicht jeder so „leicht“ lesen kann wie ich.

    Meine 5 Worte zum Buch:

    Reue.

    Vergebung.

    Momente.

    Weisheit.

    Magie.

    Wie ist das bei Euch? Würdet Ihr auch gerne so eine Liste schreiben? Wen hättet Ihr am Liebsten noch mal mit am Tisch? Dabei ist es egal, ob diese Person tot oder lebendig, berühmt oder nicht ist. Die Liste ist nur auf 5 Personen begrenzt. Ich habe mir eine eigene Liste zusammen gestellt:

    Mein vor vielen Jahren verstorbener Onkel und meinen Liebsten würde ich gerne mal zusammen erleben. Die beiden hätten sich sicher sehr gut verstanden, wenn sie sich gekannt hätten. Meine Mama wäre wohl dann auch gerne dabei. Manchmal erzählen wir von meinem Onkel, ihrem Bruder, und finden es schade, dass die beiden Männer sich nicht mehr kennen gelernt haben.

    Außerdem hätte ich gerne meine Oma mütterlicherseits und meinen Opa väterlicherseits dabei, die leider gestorben sind, als ich noch sehr jung war und an die ich mich kaum noch erinnern kann. Mit ihnen würde ich gerne mal wieder sprechen und sie so vieles fragen.

    So ein Abendessen stelle ich mir auf jeden Fall sehr spannend und aufwühlend vor.

  • Rezension: Viele Himmel über dem Siebten von Griet Op de Beeck

    Klappentext:

    Warum fühlt sich das Leben manchmal so schwer an? Und wie kann es gleichzeitig so wunderschön sein? Die zurückhaltende Eva und ihre lebenskluge Nichte Lou sind das Zentrum einer Familie, in der die anderen nur um sich selbst kreisen: Evas Schwester, deren Liebhaber, der zurückgezogene Vater, auf dessen Schultern etwas so Schweres lastet, dass niemand sich traut, danach zu fragen. Sie alle sind bestimmt von ihrem Alltag, heimlichen Zweifeln und zu großen Geheimnissen. Bis Eva eines Tages fort ist. Fünf Leben stehen still, fünf Menschen treten aus der Zeit, blicken sich um und sehen, dass sie mitten in dieser Welt stehen, die manchmal so schwer zu verstehen ist und manchmal ganz unerwartetes Glück bereithält.

    Meine Meinung:

    Ich habe das Buch als Rezensionsexemplar über das Bloggerportal bekommen. Ich danke dem Verlag sehr für das Vertrauen. Meine Meinung hat dies nicht beeinflusst.

    In diesem Buch geht es um die Verflechtungen in einer Familie, in der jeder sehr mit sich selbst beschäftigt ist und sich stets auf Eva verlässt, die als Tochter, Schwester, Tante und Freundin immer für alle da ist. Kaum jemand fragt aber, wie es ihr wirklich geht, und hört auch kaum zu, wenn sie sich dann doch mal öffnet.

    Jedes Kapitel ist mit dem Namen eines der Protagonisten überschrieben, die jeweils aus ihrer Sicht einen Teil der Familiengeschichte und die Geschehnisse schildern.
    Dabei dreht sich alles um die kleinen und großen Dramen, die jeder für sich erlebt und hauptsächlich mit sich selbst ausmacht. Oder eben Eva sein Herz ausschüttet. Sie ist der Mittelpunkt der Geschichte. Dabei dreht sich jeder doch um sich selbst, bis zu dem Tag, an dem Eva sich entscheidet, ihren eigenen Weg zu gehen und dies ohne jede Ankündigung durchzieht.
    Und plötzlich merken alle, wie sie sich immer auf Eva verlassen haben und nun selbst ihr Leben in die Hand nehmen müssen. Auch die Sicht auf das Leben, die Liebe und das Glück ändern sich dadurch nachhaltig.
    (Ich möchte nicht zu sehr spoilern, darum gehe ich nicht näher darauf ein.)

    Ich habe das Buch in kürzester Zeit verschlungen. Die jeweiligen Schilderungen sind fesselnd, facettenreich und faszinierend, so dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte, weil ich einfach wissen wollte, wie es weiter geht und was als nächstes passiert.
    Das Ende hat mich dann doch etwas überrascht. Es ist traurig und hoffnungsvoll zugleich.

    Besonders die Geschichten von Lou, Elsie und Eva haben mich in ihren Bann gezogen. Diese Charaktere waren mir besonders sympathisch. Elsies und Evas Vater Jos ist Alkoholiker. Seine Schilderungen fand ich etwas düsterer, aber nicht weniger emotional.

    Die Autorin schreibt berührend und bildhaft. Ihr Schreibstil hat mir sehr gefallen. Als Fan der Niederlande freute ich mich über jedes Wort, das mich an Land und Sprache erinnerte.

    **********************************************************************************************************

    SPOILERWARNUNG!

    Achtung, im nächsten Teil ist ein Spoiler enthalten! Wer das Buch noch lesen und nicht vorab beeinflusst werden möchte, sollte jetzt nicht weiter lesen!

    **********************************************************************************************************

    SPOILERWARNUNG!

    Eva nimmt sich zum Ende hin selbst das Leben. Ich habe gedacht, sie würde vielleicht einfach weggehen oder sich nur aus dem Familienleben zurück ziehen. Aber sie entschließt sich, ihrem Leben selbst ein Ende zu machen. Ich persönlich kann das nicht nachempfinden, wie verzweifelt und tieftraurig ein Mensch sein muss, der diesen Schritt auch nur in Erwägung zieht. Im Buch wird der Selbstmord nur durch die Hinterbliebenen berichtet, die danach lernen müssen, mit ihrer Trauer umzugehen und ihre Fragen selbst zu beantworten. Das Buch hat mich aber grundsätzlich mit einem positiven Gefühl zurück gelassen, da jeder auf seine Weise positiv in die Zukunft sieht. Vor allem Lou, die Eva sehr nahe stand, findet ihren Platz im Leben. Ich weiß nicht, ob andere Menschen durch die Geschichte irgendwie getriggert werden könnten. Deswegen wollte ich das wenigstens erwähnen.

    Aber lesens- und empfehlenswert ist das Buch auf jeden Fall!

  • Rezension: I’ve been looking for Frieden von Maik Brüggemeyer

    Rezension: I’ve been looking for Frieden von Maik Brüggemeyer

    Klappentext:

    Wo waren Sie, als David Hasselhoff die Mauer niedergesungen hat?
    Popsongs erzählen Geschichten: von der ersten Liebe, dem ersten Rausch und der ersten eigenen Wohnung. Und manchmal auch die Geschichte eines ganzen Landes und seiner Bewohner, ihrer Ängste und Sehnsüchte. Maik Brüggemeyer hat zehn Songs ausgewählt, in denen sich die wichtigsten Momente der deutschen Geschichte spiegeln. Sie erzählen von der Italiensehnsucht der Fünfzigerjahre über die 99 Luftballons des Kalten Krieges bis hin zu der sommermärchenhaften Erkenntnis, dass dieser Weg wohl kein leichter sein wird. Und damit zugleich von Schuld und Rebellion, Tanz und harter Arbeit, Terror und einer friedlichen Revolution.
    Und um diese Lieder wird es gehen: Rudi Schuricke, »Capri-Fischer«; Franz Josef Degenhardt, »Deutscher Sonntag«; Can, »Father Cannot Yell«; Nena, »99 Luftballons«; David Hasselhoff, »I’ve Been Looking For Freedom«; Marusha, »Over The Rainbow«; Rammstein, »Links, 2, 3, 4«; Xavier Naidoo, »Dieser Weg«; und Balbina, »Nichtstun«.

    »Über Pop gleichzeitig klug und witzig zu schreiben, hat in Deutschland keine lange Tradition. Maik Brüggemeyer beherrscht diese Kunst. Bitte mehr davon.«

    Tagesspiegel (12. Dezember 2018)

    Link zum Buch

    Meine Meinung:

    Der Autor versucht, anhand von 10 Liedern, die deutsche Geschichte einzuordnen und zu kommentieren. Dabei erwähnt er auch weitere Künstler und Lieder, die zu der jeweiligen Zeit populär waren und versuchten, die Stimmung im Land widerzuspiegeln.
    Auch den Einfluss der verschiedenen Lieder und Künstler aufeinander wird dabei nicht unerwähnt gelassen.
    Hin und wieder springt der Autor dabei scheinbar willkürlich zwischen den Jahren und Jahrzehnten hin und her, um Zusammenhänge zu erläutern. Mir persönlich war das teilweise etwas zu ungeordnet und nicht leicht, dem zu folgen.

    Mir hätte es auch gefallen, wenn es zum Buch einen Datenträger mit den genannten Liedern gegeben hätte. So blieb mir nur die Internetsuche, um die mir unbekannten Stücke anzuhören.

    Auf jeden Fall ist das Buch sehr interessant, auch wenn ich einige Lieder und Interpreten vermisst habe. So werden die Die Toten Hosen und die Die Ärzte nicht mal erwähnt, als es um die Punk-Zeit geht, oder die Zeit in den 90ern, als wieder rechte Gewalt ausbrach. Ich finde es in diesem Zusammenhang erwähnenswert, dass diese und viele weitere Bands ganz klar Position bezogen haben.

    Gefallen haben mir die persönlichen Bezüge zum Leben und den Erfahrungen des Autoren und seiner Familie.
    Es ist ein lesenswertes Sachbuch, das sich der deutschen Geschichte mal von einer anderen Seite nähert.
    Eine musikalische Geschichtsstunde, interessant und wissenswert, stellenweise auch humorvoll.