Rezension: Armutssafari von Darren McGarvey

Rezension: Armutssafari von Darren McGarvey

– Von der Wut der abgehängten Unterschicht –

Klappentext:

Wissen wir wirklich, was Armut bedeutet? Darren McGarvey, aufgewachsen in einem Glasgower Problemviertel, weiß es. Lange Zeit stand er selbst auf der anderen Seite eines Grabens, der unsere Gesellschaft immer tiefer spaltet. Er kennt die alltägliche Gewalt, die ständige Furcht und das Gefühl, nicht gehört zu werden. Die Apathie, die aus der Perspektivlosigkeit entsteht. McGarvey nimmt uns mit auf eine sehr persönliche Reise in diese Welt. Nicht um sie aus sicherer Distanz zu betrachten, sondern um sie von innen heraus zu verstehen. Und um endlich die richtigen Konsequenzen zu ziehen.

»Darren McGarvey hat ein Buch geschrieben, das von innen nach außen schaut – aus der Unterschicht dorthin, wo über die Unterschicht geredet und entschieden wird.«Cathrin Kahlweit / Süddeutsche Zeitung (24. September 2018)

Meine Meinung:

Der Autor ist in einer armen Gegend Glasgows aufgewachsen, in prekären Verhältnissen. In seinem Vorwort zum Buch erläutert er den Aufbau des Buches und geht auf die Tragödie ein, die der Brand des Grenfell Towers vor wenigen Jahren darstellt.

Er beschreibt in relativ kurzen Kapiteln die Realität der armen Bevölkerung Großbritanniens und gibt Vorschläge, wie man das Leben für alle Bewohner armer Stadtteile verbessern kann, ohne über ihre Köpfe hinweg zu entscheiden und sie bei der Planung mit einzubeziehen. Er umreißt die Entwicklung und Geschichte der Städteplanung ebenso, wie den wirtschaftlichen und sozialen Abstieg ärmerer Gebiete.

McGarvey schreibt beeindruckend und offen über seine Erfahrungen als Teil der armen Bevölkerung Glasgows.

Dabei versucht er auch zu vermitteln, wie missverstanden und fehlinterpretiert diese Gesellschaftsschicht ist und welche Probleme sich daraus ergeben können.

Gut gemeinte Hilfe wird von den Armen oft als übergriffige Bevormundung gesehen und entsprechend darauf reagiert, was wiederum Gegenreaktionen der reicheren Bevölkerung auslöst oder ein schlechtes Image über die Menschen ärmerer Wohngebiete erzeugt.

McGarvey nimmt kein Blatt vor den Mund und spricht viele Themen schonungslos und ehrlich an. Dazu mischt er seinen ganz persönlichen Werdegang und die Geschichte seiner Familie. Heraus kommt ein Buch, das dem Leser die Augen öffnet und Verständnis und Mitgefühl erzeugt.

Er lässt auch andere Menschen zu Wort kommen, die sich in Hilfsorganisationen und Ämtern für ihn und andere einsetzen und kommentiert dieses aus seiner Sicht.

Das Buch hat mich sehr beeindruckt und ich kann es nur empfehlen.

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