Blick auf die Bühne mit Instrumenten und den Bannern der Bands

Irdorath Comeback Show

Am 11. Mai, genau 11 Monate, nachdem ihre Managerin sie nach 2 Jahren politischer Gefangenschaft das erste Mal wieder getroffen hat, sind Nadia und Vova von Irdorath mit ihrer Band auf die Bühne zurück gekehrt!

Und ich war dabei!

Seit ich von ihrer Verhaftung bei Nadias Geburtstagsfeier im August 2021 erfahren hatte, habe ich das Schicksal der Musiker verfolgt und mit ihren Angehörigen gebangt und gehofft.

Ich habe euch ein paar Bilder mitgebracht und werde ein wenig meine Eindrücke des Abends schildern.

Ich wusste, es würde ein emotionaler Abend werden.

Und auch jetzt, während ich diese Worte schreibe, kommen mir schon wieder die Tränen. Der Abend war ein bunter Strauß voller unterschiedlicher Gefühle. Wobei die Freude, die Band endlich wieder live sehen und mit ihnen feiern zu können, eindeutig überwog.

Aber auch ein paar Schilderungen von Nadia und Vova über ihre Zeit, als sie „in vacation“ waren, haben das ganze Publikum sehr berührt.

Sogar eine frühere Mitinsassin von Nadia war mit im Publikum und hat sich sichtlich gefreut, die Lieder, die sie bisher nur als Akustikversionen kannte, in voller Bandbesetzung zu hören.

Falls Ihr meinen Beitrag aus 2021 nochmal lesen wollt, schaut gerne unter diesem Link nach. Dort gibt es auch eine Linksammlung zu Hilfsorganisationen und Infoseiten.

Der Abend

Am 11. Mai war nun also das Comeback-Konzert im Kulturhaus B.O. in Asendorf. Es liegt ein wenig abgelegen, aber am Samstag war es fast schon eine Pilgerstätte. Es kamen viele Gäste sogar aus Litauen, Luxemburg, Polen, Moldavien und den Niederlanden angereist, einer war sogar aus Brasilien gekommen, um die Band zu sehen! Da war meine Anreise aus Hannover geradezu ein Katzensprung.

Der Veranstaltungsort ist total genial. In der Coronazeit hatte der Eigentümer den Konzertsaal renoviert und zu einem sehr schönen Wohlfühlraum gemacht! Ich war schon einmal dort, aber da war es eine Open Air Veranstaltung und ich hatte nur auf dem Weg zur Toilette ganz kurz die Räumlichkeiten gesehen. Samstag waren wir extra etwas eher angereist, um dort noch gemütlich etwas zu essen und zu trinken, bevor das Konzert losging.

Vor dem Eingang steht ein sogenannter Kunstautomat, der früher mal für Zigarettenschachteln gebaut wurde. Darin sind kleine Kunstwerke, die man für kleines Geld wie früher Zigaretten ziehen kann. Natürlich konnte ich es mir nicht nehmen lassen, selbst eine Box daraus zu erwerben.

Ich muss da unbedingt wieder hin, um noch eine Box zu ziehen! Da man vorher nicht weiß, was sich in der Box befindet, ist es ein total spannendes Überraschungsspiel. Ich liebe sowas ja.

Die Vorband

Die Vorband Brisinga begann um 19:30 Uhr zu spielen. Sie spielen mit verschiedenen Instrumenten richtig schöne folkige Musik, die mir sehr gefallen hat, so dass ich mir die aktuelle CD kaufte. Ein Lied fand ich besonders cool: Fate handelt vom Stricken.

Hier ist das Video zum Lied verlinkt. (Externer Link zu YouTube.)

Die drei Musikerinnen spielen Harfe, Trommel, Flöten, Cello, Nyckelharpa und andere Instrumente in wechselnder Zusammensetzung.

Die Beleuchtung auf der Bühne sorgte außerdem für eine ganz besonders passende Stimmung.

So aufgewärmt konnten wir es alle kaum abwarten, dass endlich der Hauptgrund für unsere Anwesenheit die Bühne betrat. Aber davor mussten wir geduldig den Bühnenumbau abwarten.

Das Konzert

Und dann ging das Licht aus, die Tür an der Seite wurde geöffnet, die ersten Takte eines Liedes erklangen, die ersten Jubelrufe brachen aus dem Publikum hervor und die Bandmitglieder betraten, beschienen durch die untergehende Sonne, die durch die Tür am Bühneneingang hereinschien, nacheinander die Bühne und nahmen die Instrumente zur Hand.

Nach dem ersten Lied wollte Nadia ein paar Sätze sagen, vergaß aber vor lauter Aufregung und Freude, was sie sagen wollte. Da sind nicht nur bei ihr ein paar Tränen geflossen. Um mich herum wischten sich einige verstohlen über die Wange.

Es gab auch eine Setlist, aber ich glaube, dass die Reihenfolge überhaupt nicht eingehalten wurde. Wie die Band allerdings festlegte, welches Lied als nächstes gespielt wurde, kann ich nicht sagen, da ich in dieser Hinsicht keinerlei Absprachen erkennen konnte.

Es wurden einige der alten Hits gespielt, aber auch neue Lieder! Besonders ein Lied wurde als absolute Premiere angekündigt. Nadia sagte schmunzelnd dazu: „Ihr habt den ‚faulen Menschen‘, die es nicht hierher geschafft haben, jetzt alle etwas voraus. Ihr lernt jetzt ein brandneues Lied von uns kennen!“

Ich freue mich schon auf ein neues Album. Leider konnte ich es am Merch-Stand noch nicht vorbestellen. (Kein Stress, das war nur Spaß!)

Nach einer guten Stunde gab es eine kurze Pause, die allen sehr gelegen kam, da Dominik, der Eigentümer des BO die Außentüren öffnete, um frische Luft rein zu lassen. Außerdem nutzten die meisten die Zeit, um selbst kurz nach draußen zu gehen. Der Saal hatte sich mittlerweile zu einer Sauna entwickelt.

Nach der Pause ging das Konzert weiter von einem Höhepunkt zum nächsten.

Schaut mal bei YouTube, falls ihr von der Band noch nichts gehört habt. Da gibt es ein schönes Konzert, dass sie während Corona im Wald aufgezeichnet haben: Link.

Gastauftritt

Bei zwei Liedern kam eine Gastsängerin auf die Bühne, die ich schon von Videos der Band kannte.

Yulya sang erst bei Быў. Ёсць. Буду. (Byu. Iost‘. Budu.) mit, ein älteres Lied, das kurz nach den Protesten 2020 neu mit einem wunderschönen Video veröffentlicht wurde. Und dann später nochmal bei Zorami, das Lied, das die Band als erstes nach ihrer Rückkehr mit einem Video veröffentlichte und auch im Gefängnis geschrieben hat.

Wir haben die Sängerin mit viel Applaus begrüßt und nach den Liedern noch frenetischer von der Bühne verabschiedet.

Außerdem gab es einen sehr emotionalen Moment, als Nadia und Vova ihre Freundin und Managerin Jeany auf die Bühne riefen, um sich in einer bewegenden Rede auch bei ihr für ihre Unterstützung in der ganzen Zeit zu bedanken. (Ich brauche schon wieder ein Taschentuch..)

Nach dem offiziellen Ende des Konzertes haben wir mehrfach nach Zugabe gerufenn, wobei wir gleich noch das belarusische Wort dafür lernten. Ich glaube, es wurde etwa tschischtschi ausgesprochen.

Aber nach fast drei Stunden war dann für den Abend erstmal Schluss, wobei das ja nicht das Ende sondern erst der Anfang der weiteren Live-Auftritte war. Bereits dieses Wochenende treten Irdorath bei WGT in Leipzig auf.

Nach dem Konzert konnte man noch bleiben, um mit allen zu quatschen und Fotos und Autogramme zu bekommen, aber mein Fahrer wollte gerne schon los, da er sehr müde war. Ich werde sicher noch die Gelegenheit für Autogramme und Fotos mit der Band haben.

Ich möchte auch noch die beiden neuen Musiker erwähnen. Kevin an der Gitarre und Alex am Schlagzeug haben mir sehr gut gefallen! Sie ergänzen die Band wunderbar.

Abschließend möchte ich sagen:

Solltet Ihr die Gelegenheit haben, seht Euch Irdorath live an!

Ihr könnt sie auch auf Patreon oder über betterplace unterstützen. Damit helft ihr direkt beim Neustart, seien es Anschaffungskosten für Musikinstrumente oder die Anwaltskosten für das Asylverfahren. Auf Patreon bekommt man als Supporter exklusive Inhalte wie Musikdownloads oder spezielle Fotos.

Die Aktion bei betterplace wird von Libereco organisiert. Da spende ich regelmäßig kleine Beträge, die direkt humanitärer Hilfe zugute kommt.

Meine Unterstützung habe ich an dem Abend in Form von Merch-Käufen vorgenommen: 3 CDs, ein Lederarmband und Buttons. Die Sticker und Postkarten habe ich am Stand geschenkt bekommen.


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