Kategorie: Rezension

  • Rezension: Mine von Myriam Brixton

    Rezension: Mine von Myriam Brixton

    Klappentext:

    Jonathan ist mächtig. Jonathan ist skrupellos. Jonathan ist reich. Sex ist für ihn ein Ventil, um neue Kräfte zu tanken. Kräfte, die er braucht, um seine undurchsichtigen Geschäfte, seine Karriere und seinen Machteinfluss voranzutreiben. Er benutzt Frauen, ohne auch nur das Geringste für sie zu empfinden – bis er auf Isabell trifft. Sie ist klug, schön und eine Kämpferin. Isabell möchte studieren und sich ein Leben in Würde und Freude zurückerobern. Ein Leben, das sie durch einen tragischen Schicksalsschlag verloren hat. Dafür ist sie bereit, ihren Körper zu verkaufen.
    Jonathan gabelt die junge Frau von der Straße auf und nimmt sie unter Vertrag. Ihr Körper gehört fortan ihm. Im Gegenzug dazu finanziert er ihr Studium und stellt ihr eine Wohnung zur Verfügung.
    Nur Jonathan ist ihr Körper vorbehalten. Sie ist sein Spielzeug, das er mit niemand anderem teilen will.
    Doch bald schon bemerkt Jonathan, dass Isabell anders ist. Dass sie ihn verändert und seinem Herzen gefährlich nahe kommt.
    Isabell wird für Jonathan zur Bedrohung, der er mit roher Gewalt begegnet.
    Wird die junge Frau es schaffen, ungebrochen aus diesem Deal hervorzugehen?

    Diese Ausgabe ist vollständig, unzensiert und enthält keine gekürzten erotischen Szenen.

    Meine Meinung:

    Ich habe das Buch vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

    Ich muss gestehen, dass ich hin und her gerissen bin, was diese Geschichte angeht. Einerseits fand ich es anfangs grässlich, vor allem, was die 10-jährige Isabell erlebt hat, aber auch, wie Jonathan mit Frauen umgeht.
    Andererseits hat mich das Buch irgendwann gepackt und ich konnte es nicht mehr weg legen.
    Die Feministin in mir tobte beim Lesen der widerwärtigen Praktiken, die Jonathan mit Frauen auslebte.
    Aber ich war auch von Isabells Geschichte fasziniert. Eine Frau, die so jung schon ganz auf sich selbst gestellt ist und sich ihren Schulabschluss erkämpft und dann unbedingt studieren will, um sich ein besseres Leben aufzubauen, ließ mich zwischen Mitleid und Respekt schwanken. Teilweise war ich fassungslos, wie naiv sie einfach losspazierte, um in möglichst kurzer Zeit, möglichst viel Geld für das Studium zu verdienen. Teilweise freute ich mich aber auch mit ihr, wenn sie wieder einen Schritt weiter gekommen war.

    Es gibt im Buch keine Kapitel, die jeweiligen Abschnitte wurden in verschiedenen Schriftarten dargestellt: Jonathan erzählte aus seiner Sicht in Kursivschrift, damit fängt das Buch auch an; Isabell erzählte ihre Geschichte in normaler Schrift. So wusste ich immer, wer gerade erzählte. Die Abschnitte gingen teilweise fließend ineinander über. Manchmal wurde eine Szene aus beiden Sichtweisen erzählt, so dass man immer genau wusste, was die Protagonisten gerade dachten und taten.

    Der Schreibstil selbst gefiel mir. Die Autorin erzählt fesselnd und bildhaft, was bei manchen Szenen fieses Kopfkino auslöste.
    Jonathan ist machtbesessen, brutal und pervers. Frauen sind für ihn nur Objekte, die er zu seiner Befriedigung benutzt und dann wieder fallen lässt. So einem Mann möchte ich wirklich niemals ausgeliefert sein. Dennoch weckt Isabell in ihm eine Art zarte Seite, die ihn völlig unvorhersehbar handeln lässt. Mal beschenkt er Isabell, mal vergewaltigt er sie. (Man muss es so klar sagen, weil nicht alle Leser solche Szenen lesen möchten.)

    Das Buch ist abstoßend, unbarmherzig, fesselnd und dann wieder berührend, tragisch und hoffnungsvoll.
    Das Ende sehnt man geradezu herbei und ist dann doch überrascht, wenn das Buch auf einmal ausgelesen ist. (Man erwartet irgendwie immer noch eine furchtbare Katastrophe.)

    Allerdings fällt das Buch für mich nicht in das Genre SM.
    SM setzt immer zwei gleichberechtigte Partner voraus, die beide wissen, worauf sie sich einlassen und dieses auch wirklich wollen. Außerdem gibt es beim SM klare Grenzen, die in diesem Buch alle permanent überschritten werden.
    Von der psychologischen Warte ist das Buch aber durchaus faszinierend. Wie gesagt, ich war hin und her gerissen und konnte das Buch ab einer bestimmten Stelle nicht mehr weg legen, weil ich einfach wissen wollte, wie es endet. Wahrscheinlich spricht es eine dunkle, voyeuristische Seite in mir an.

    Zartbesaiteten Menschen kann man das Buch auf keinen Fall empfehlen. Auch wer Romantik und ansprechende Erotik erwartet, wird in diesem Buch enttäuscht werden. Wer mal in die Abgründe der menschlichen Gesellschaft schauen möchte, kann bei diesem Buch zugreifen.

  • Rezension: Hautfreundin. Eine sexuelle Biografie von Doris Anselm

    Rezension: Hautfreundin. Eine sexuelle Biografie von Doris Anselm

    Klappentext:

    Gibt es noch schmutzige Worte? Hilft fesseln gegen Traurigkeit? Besitzt ein Mann mit einer schönen Stimme auch eine schöne Zungenspitze? Kann man zu zärtlich sein, wenn man bloß eine Affäre hat? Und gedeiht im Unanständigen vielleicht ein besonderer Anstand? – Sie ist eine Frau, die Sex mag und seltsame Fragen, ihre eigene Haut und die Haut ganz verschiedener Männer. Direkte Berührung ebenso wie den Salto ins Fantastische. Sie flirtet lieber unterwegs als online, weil sie den kleinen Rausch des ersten Schritts liebt. Ihr Blick auf Sex ist zugleich lustvoll und schräg, präzise und sanft. Die Männer, denen sie nah kommt, gehen ihr nah. Aber worauf steht sie eigentlich selbst? Und wie hat das angefangen? Nach und nach ergeben die Geschichten ihrer hautnahen Begegnungen eine Geschichte: die überraschend glückliche sexuelle Biografie einer freien Frau. So sinnlich erzählt, dass die Sprache selbst Feuer fängt.

    »Die Heldin ihres Romans ›Hautfreundin‹ ist eine große Künstlerin des Spürens und Begehrens.« Uwe Wittstock / Focus (06. Juli 2019)

    Meine Meinung:

    In Hautfreundin erzählt die Protagonistin in loser Folge kurze Episoden aus ihrem Leben, in denen es vornehmlich darum geht, den eigenen Körper zu erforschen und mit verschiedenen Sexualpartnern erotische Freuden auszuleben. Dabei begegnet sie den unterschiedlichsten Männern und lernt, wie erfüllend ein selbstbestimmtes, sexuelles Leben sein kann.

    Mich hat der Klappentext neugierig gemacht, so dass ich das Buch über das Bloggerportal angefragt habe. Ich danke dem Verlag für die Bereitstellung des Buches, was meine Meinung nicht beeinflusst hat.

    In einer Bewertung bemängelt eine Leserin, dass die Protagonistin keine weitergehenden Erfahrungen, wie homoerotische Abenteuer, erlebt. Doch ich muss sagen, dass nicht jede Frau, die sich sexuell auslebt, automatisch auch alle möglichen Spielarten ausprobieren will oder muss.

    Die Autorin schafft es, dass man sich als Leser wohl fühlt. Die Sprache ist leicht und flüssig lesbar, erotisch und schön.
    Mir gefiel vor allem das Kapitel, dass in einer möglichen Zukunft spielt, in der die Menschen durch Geräte permanent miteinander vernetzt sind und so auch potentielle Sexualpartner vorgeschlagen bekommen. Die Protagonistin trifft darin auf einen Mann, der ungern das Gerät benutzt. Ihr Zusammentreffen verändert ihre Einstellung zur vorherrschenden gesellschaftlichen Norm und lässt sie neue Wege erkunden. Aus diesem Szenario könnte man durchaus ein eigenes Buch ausarbeiten.

    Gegen Ende des Buches nimmt sich die Protagonistin eine Auszeit und verbringt einen annähernd sexfreien Urlaub, aus dem sie mit neuer Energie und neuen Plänen nach Hause zurück kehrt, die dann im letzten Kapitel angesprochen werden.

    Das Buch ist vielleicht keine Neuerfindung des Genres Erotikroman, aber man kann sich gut in die Handlung fallen lassen und in die Protagonistin einfühlen. Ein schönes Buch für Zwischendurch.

  • Rezension: Die sexuellen Gefälligkeiten der Lady Julie von Johanna Söllner

    Rezension: Die sexuellen Gefälligkeiten der Lady Julie von Johanna Söllner

    Klappentext:

    Mein Name ist Julie de Abbeyville. Ich bin jung. Ich bin reich. Und ich bin frei. Denn mein Mann Charles ist tot. Er konnte mir nie geben, was ich brauche, besonders in sexueller Hinsicht. Wie oft bin ich schlaflos wach gelegen und habe von lustvollen Liebesspielen geträumt?
    Jetzt lasse ich meine Träume wahr werden. Ich plane eine Reise um die Welt. Ich möchte das pralle Leben erfahren, am eigenen Leib erleben, wie man woanders liebt. Sex in der Hauptstadt der Liebe. Die Geheimnisse des Orients. Und wie war das mit dem Kamasutra? Ich werde hemmungslos sein und keine Erfahrung auslassen, so seltsam oder verwegen sie auch erscheinen mag.
    Ich reise ohne Geld und bin zuversichtlich, dass es überall auf der Welt genügend Gentlemen gibt, die nur zu gern bereit sind, einer hübschen englischen Lady weiterzuhelfen. Selbstverständlich dürfen sie von mir dann auch eine Gefälligkeit erwarten. Möchtest du auch eine Gefälligkeit von Lady Julie? Dann warte nicht und komm …

    Meine Meinung:

    Der Blue Panther Books Verlag sollte mittlerweile allgemein bekannt sein für die unterschiedlichsten Bücher im Erotikgenre. Und als ich gefragt wurde, ob ich nicht mal wieder ein Buch rezensieren möchte, habe ich mich für Lady Julie entschieden, da mir das Cover gefiel und der Klappentext mich neugierig machte.

    Die Bereitstellung des Rezensionsexemplares hat meine Meinung nicht beeinflusst.

    Der Roman spielt im viktorianischen Zeitalter, also zu einer Zeit, als Frauen wenig zu melden hatten, weder als Tochter aus gutem Hause, noch als Ehefrau. So wird Lady Julie von ihren Eltern zu einer lieblosen Ehe gezwungen, in der sie von ihrem wesentlichen älteren Mann nicht liebevoll behandelt wird. Als er dann stirbt, fühlt sich Lady Julie zum ersten Mal frei und hat nicht vor, so bald wieder in den Stand der Ehe zu treten, auch wenn es unüblich ist zu der Zeit, dass eine Frau ohne männlichen Vormund durchs Leben geht. Ganz im Gegenteil, Lady Julie plant eine Weltreise, auf der sie die verschiedenen Arten der körperlichen Liebe kennen lernen will. Und so begleitet der Leser die dickköpfige Lady durch so manches Abenteuer, in dem es auch manches Mal um ihr nacktes Überleben geht.

    Das Buch ist komplett aus der Sicht von Lady Julie geschrieben und der Leser bekommt so manchen Einblick in die Schlafzimmer jener Zeit. Ich hätte mir allerdings an manchen Stellen gewünscht, dass die Lady eine weniger vulgäre Sprache verwendet, auch wenn die Begriffe für diverse Körperteile durchaus fantasievoll gewählt sind. Aber in meinen Augen klingen die Worte aus dem Mund einer Lady reichlich unpassend.

    Dennoch hat mir die Lektüre des Buches viel Freude bereitet. Man merkt der Geschichte an, dass die Autorin viel recherchiert hat, um möglichst nah an den tatsächlichen Ereignissen und Gepflogenheiten jener Zeit zu bleiben. Der Schreibstil ist grundsätzlich flüssig lesbar und die Beschreibungen der Orte und Geschehnisse sind bildhaft und gut vorstellbar.

    Wer kein Problem mit der manchmal vulgären Wortwahl der Protagonistin hat, wird einige anregende Lesestunden mit Lady Julie verbringen können.

  • Rezension: Bad Feminist von Roxane Gay

    Rezension: Bad Feminist von Roxane Gay

    Klappentext:

    Leider liebt sie Rapmusik, das Frauenbild: grauenvoll. Leider liest sie sehr gerne Fashion-Magazine, das Frauenbild: ebenfalls erschreckend. Und ihre Lieblingsfarbe ist leider: pink. In einer Zeit, in der Barack Obama sich als Feminist bezeichnet und sogar Modeimperien den Schriftzug in großer Zahl auf T-Shirts drucken, wahrscheinlich keine gute Idee. Feminismus ist chic geworden und angekommen in der Popkultur. Aber was kann guter Feminismus heute wirklich sein? In ihrem hochgelobten Essayband sprengt Roxane Gay das ideologische Korsett eines guten und starren Feminismus und erklärt sich selbst ironisch zum Bad Feminist – stimmgewaltig, bestechend klug und fern jeder Ideologie unterzieht sie unsere Gegenwart einer kritischen Analyse und zeigt, wie man alles auf einmal sein kann: eine der bedeutendsten Feministinnen der Gegenwart und dabei definitiv nicht perfekt.

    Meine Meinung:

    Wieder bekam ich ein Buch, dass ich über das Bloggerportal von Randomhouse angefragt habe und mir vom Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurde. Dafür möchte ich mich bedanken und betonen, dass meine Meinung dadurch nicht beeinflusst wurde.

    Das Thema Feminismus und Gleichberechtigung rückt immer mehr in den Fokus und es gibt mittlerweile viele Bücher, die sich mit dem Thema auseinander setzen. Darum wollte ich dieses Buch auch lesen. Und weil die Autorin fast in meinem Alter ist und ich mich sicher mehr mit ihr identifizieren kann als z. B. mit jüngeren Frauen, die genau so viel zum Thema zu sagen haben.

    Roxane Gay schreibt für verschiedene Zeitschriften Texte zum Thema Feminismus und hat diese Texte nun in einem Buch zusammen gefasst. Man merkt, dass sie zu verschiedenen Zeiten entstanden, da die Autorin häufig auf aktuelles Zeitgeschehen und gesellschaftsrelevante Themen eingeht. Sie schildert vieles aus ihrer Sicht und lässt auch eigene, häufig auch sehr persönliche und schmerzhafte Erfahrungen dabei in die Essays einfließen. So trifft sie vielleicht nicht die Meinung des Lesers, aber öffnet den Blick auf Frauenthemen auf eine berührende und eindringliche Weise.

    Mir gefällt ihr Schreibstil, wenn ich auch, besonders anfangs, manches Fremdwort nicht verstanden habe, dass die Literaturprofessorin verwendet. Die meisten Texte sind aber leicht verständlich und flüssig lesbar geschrieben, so dass man keine Probleme hat, den Sinn zu erfassen und ihren Worten zu folgen.

    Roxane Gay öffnet den Blick hauptsächlich auf die amerikanischen Hintergründe und die Rolle der Frauen, besonders der afroamerikanischen Gesellschaft in den USA. Es ist ein interessantes Buch, dass ich jedem empfehlen möchte, der sich für die Gleichstellung der Geschlechter in der heutigen Zeit interessiert.

  • Rezension: Vortreffliche Frauen von Barbara Pym

    Rezension: Vortreffliche Frauen von Barbara Pym

    Klappentext:

    »Barbara Pym erinnert uns an die herzzerreißende Lächerlichkeit des Alltags.« ANNE TYLER

    London in den späten Vierzigerjahren: Hier gilt eine ledige Frau über dreißig schon als alte Jungfer. Mildred Lathbury, eine solche etwas farblose Dame ohne feste Bindungen, ist als Pfarrerstochter aufgewachsen, arbeitet für eine Hilfsorganisation und engagiert sich in der Kirchengemeinde. Alles verläuft in ruhigen Bahnen, bis neue Nachbarn einziehen: eine attraktive Anthropologin und ein charmanter Marineoffizier. Dieses Paar stellt Mildreds Leben auf den Kopf. Nicht nur ist man dem Alkohol zugeneigt, es werden Dinge beim Namen genannt, die eine Lady lieber verschweigt; vor allem aber wird Mildred wiederholt in Ehezwiste hineingezogen. Als sich schließlich noch der Pfarrer in ein neues Gemeindemitglied verliebt und Mildred um Hilfe bittet, wird es ihr zu viel. Mit einem Mal entdeckt die stets selbstlose Mildred ihre eigenen Bedürfnisse und hat am Ende tatsächlich die Wahl zwischen zwei Männern. Legt sie als treusorgende Gattin des Wissenschaftlers fortan Sachverzeichnisse an, entscheidet sie sich für den Pfarrer oder verzichtet sie gar auf beide?

    Meine Meinung:

    Ich habe das Buch als Teil der Schmökerbox im Juni erhalten. Es gab wieder ein geheimes Goodie, das erst bei einer bestimmten Seite ausgepackt werden durfte, diesmal auf Seite 44. Was es war, zeige ich am Ende des Beitrags und warne vorher all jene, die nicht gespoilert werden wollen.

    Ich gebe zu, dass ich vor meiner Bestellung recherchiert habe, um welches Buch es sich handeln könnte und mich dann erst für die Box entschieden. Der Klappentext hat mich sehr neugierig gemacht und das Cover finde ich sehr ansprechend.

    Die Ich-Erzählerin berichtet von ihren Erlebnissen, die mit dem Einzug neuer Nachbarn beginnen und nur kurz nach ihrem Auszug wieder enden. Dabei bleibt am Ende offen, ob es für die Protagonistin, ledig, über 30 und sehr patent, ein klassisches Happy End mit Ehemann gibt. Am Schluss könnte sie sich immer noch anders entscheiden.

    Die Erzählung ist unaufgeregt und mit einem Witz, der mich an die Bücher von Jane Austen erinnert. Dabei sind die Frauen in diesem Buch bereits emanzipierter. Sie sitzen nicht nur zu Hause, handarbeiten und warten auf die Heimkehr der Männer, sondern schaffen sich ein eigenes Leben, dass nicht mehr völlig abhängig von der Großzügigkeit männlicher Verwandter ist.
    Dennoch wandern sie auf einem schmalen Grad der Anständigkeit, an deren Abgrund die Anrüchigkeit und der Verlust des Ansehens lauert. Aber zum Glück gibt es für alles eine Lösung: Wann immer es nötig ist, kann man ja erst mal einen Tee zubereiten. Und wenn es hart auf hart kommt, hilft notfalls ein Schluck Brandy.

    Ich habe das Buch sehr gerne gelesen.
    Ich mag den Schreibstil der Autorin und hoffe, noch mehr Bücher von ihr entdecken zu können.

    SPOILERWARNUNG!

    Nun zum geheimen Goodie! Wer nicht wissen will, was es ist, schaut lieber schnell weg!

    SPOILERWARNUNG!

    Auf der beiliegenden Karte in der Box stand, es ist etwas, mit dem ich etwas Zeit für mich genießen kann und da hatte ich schon einige Vermutungen, die irgendwie alle mit Tee zu tun hatten. Es hätte auch ein Badeschaum oder so etwas sein können. Aber letztendlich war mein erster Gedanke, etwas mit Tee, doch richtig.

    Schaut, wie schön: Es ist ein Teesieb mit Keramik-Anhänger!

  • Rezension: The Dinner List von Rebecca Serle

    Rezension: The Dinner List von Rebecca Serle

    Klappentext:

    Es beginnt wie in einem Traum. Um halb acht Uhr abends betritt Sabrina ein New Yorker Restaurant, um nach guter alter Tradition mit ihrer besten Freundin Jessica Geburtstag zu feiern. Als sie durch die Tür tritt, traut sie ihren Augen nicht: Neben Jess erwarten sie dort in bester Feierlaune Sabrinas ehemaliger Philosophie-Professor, ihr Vater, ihr Ex-Verlobter Tobias – und Audrey Hepburn. Sie alle sind Wunschgäste einer geheimen Liste, die Sabrina vor langer Zeit anfertigte. Sabrina ist verzaubert und verwirrt, ihren Vater hat sie seit 20 Jahren nicht gesehen und Tobias, ihre große Liebe, stahl sich urplötzlich aus ihrem Leben. Darf sie auf eine zweite Chance hoffen? Und dann ist da ja auch noch Audrey Hepburn …

    Meine Meinung:

    Ich habe das Buch über das Bloggerportal bei Randomhouse erhalten. Dafür möchte ich mich noch einmal sehr bedanken. Meine Meinung hat dies aber nicht beeinflusst.

    Das Buch beginnt ein wenig verwirrend, da Sabrina genauso verwirrt erscheint. Sie erwartet eigentlich nur ihre beste Freundin, mit der sie sich zum Dinner verabredet hat, aber zusätzlich sitzen noch gänzlich verschiedene Menschen mit am Tisch, die so gar nicht zusammen passen. Zuallererst sitzt Audrey Hepburn am Tisch, was ja im 21. Jahrhundert nicht möglich sein kann, da sie längst verstorben ist. Außerdem trifft sie auf ihren Vater, der sie verlassen hat, als sie noch klein war und an den sie sich kaum erinnern kann und ihr ehemaliger Verlobter Tobias, mit dem sie im Streit auseinander gegangen war, was aber erst später zur Sprache kommt. Neben ihrer besten Freundin Jessica sitzt dann auch noch ihr ehemaliger Professor mit am Tisch. Sabrina ist zunächst irritiert, aber sie selbst hat ja vor vielen Jahren die Liste mit Menschen erstellt, mit denen sie gerne mal zu Abend essen möchte.

    Das Buch erzählt in wechselnden Kapiteln von diesem Abendessen und wie Sabrina und Tobias sich kennen lernten und ein Paar wurden und wie sie versuchten, ihr gemeinsames Leben zu bewältigen.

    Audrey Hepburn und der Professor sind dabei sowas wie Mentoren und Vermittler zwischen den übrigen Menschen am Tisch, mit denen Sabrina ins Reine kommen soll. Sie bereichern die Unterhaltung auch mit Geschichten aus ihrem eigenen Leben. So erzählt die Geschichte vom Verlassenwerden, vom Verlust geliebter Menschen und der Vergebung. Es geht um verpasste Möglichkeiten und Reue und um die Chance auf einen Neuanfang.

    Der Schreibstil ist fesselnd und leicht lesbar. Die Liebesgeschichte ist traurig und wunderschön zugleich, melancholisch und doch hoffnungsfroh. Das Buch hat viel in mir ausgelöst. Es hallt nach und ich möchte es gerne noch einmal lesen.

    Es ist wirklich zu empfehlen und sehr lesenswert. Es entwickelt eine Tiefe und einen Sog, der über das Maß „normaler“ Liebesgeschichten hinaus geht.

    Allerdings möchte ich eine Warnung aussprechen für Menschen, die gerade noch an dem Verlust eines geliebten Menschen zu knabbern haben. Es gibt Stellen im Buch, die nicht leicht zu lesen und emotional sehr fordernd sind. Daher denke ich, dass es nicht jeder so „leicht“ lesen kann wie ich.

    Meine 5 Worte zum Buch:

    Reue.

    Vergebung.

    Momente.

    Weisheit.

    Magie.

    Wie ist das bei Euch? Würdet Ihr auch gerne so eine Liste schreiben? Wen hättet Ihr am Liebsten noch mal mit am Tisch? Dabei ist es egal, ob diese Person tot oder lebendig, berühmt oder nicht ist. Die Liste ist nur auf 5 Personen begrenzt. Ich habe mir eine eigene Liste zusammen gestellt:

    Mein vor vielen Jahren verstorbener Onkel und meinen Liebsten würde ich gerne mal zusammen erleben. Die beiden hätten sich sicher sehr gut verstanden, wenn sie sich gekannt hätten. Meine Mama wäre wohl dann auch gerne dabei. Manchmal erzählen wir von meinem Onkel, ihrem Bruder, und finden es schade, dass die beiden Männer sich nicht mehr kennen gelernt haben.

    Außerdem hätte ich gerne meine Oma mütterlicherseits und meinen Opa väterlicherseits dabei, die leider gestorben sind, als ich noch sehr jung war und an die ich mich kaum noch erinnern kann. Mit ihnen würde ich gerne mal wieder sprechen und sie so vieles fragen.

    So ein Abendessen stelle ich mir auf jeden Fall sehr spannend und aufwühlend vor.