Kategorie: Allgemein

  • Rezension: Morgen irgendwo am Meer von Adriana Popescu

    Rezension: Morgen irgendwo am Meer von Adriana Popescu

    Klappentext:

    Ein goldener Mercedes, Wind in den Haaren und das Meer vor Augen – vier Jugendliche auf dem Weg nach Lissabon …
    Was Romy, Konrad, Nele und Julian auf ihrem gemeinsamen Weg nach Lissabon erwartet, scheint der perfekte Sommerroadtrip nach dem Abitur zu sein. Doch dass jeder von ihnen weit mehr als nur leichte Sommerklamotten im Gepäck hat, wird dem eher durch Zufall zusammengewürfelten Quartett erst im Lauf der Reise klar. Denn in Wahrheit geht es bei diesem Roadtrip um nichts weniger als die Suche nach sich selbst, dem eigenen Leben, der großen Liebe und wahrer Freundschaft.

    »Das ist spannend, quälend, herzzerreißend und ehrlich. Nach 475 Seiten und mehreren zerknüllten Taschentüchern werden die Leser hoffnungsvoll und erleichtert entlassen.«

    MDR (17. Mai 2019)

    Meine Meinung:

    Morgen irgendwo am Meer liest sich flüssig und wirklich gut. Die Protagonisten waren mir von Anfang an sympathisch, wobei sich das im Laufe des Buches etwas gewandelt hat, da jeder einzelne der Freunde eine eigene Entwicklung durch macht, die mir den einen oder anderen noch näher brachte. So wurde mir Julian nach und nach immer unsympathischer, während Konrad mehr und mehr positive Eigenschaften zeigte.

    Romy und Nele behielten eigentlich gleichbleibend meine Sympathien, aber Neles Geschichte fand ich noch faszinierender. Außerdem fand ich ihre Sicht auf die Welt (durch das Objektiv ihrer Kamera) toll.

    Romys Geschichte bringt dem Leser das Thema Angststörungen auf verständliche Weise näher. Man wird zum Nachdenken angeregt. Jeder verarbeitet Trauer und Verlust auf seine eigene Weise und benötigt eine unterschiedliche Zeit dazu.

    Die jungen Erwachsenen hatten ihre eigenen Erfahrungen zu verarbeiten und Probleme zu meistern, was während der Reise ganz unterschiedliche Erlebnisse ergab. So litt und fieberte ich mit und hoffte für alle auf ein Happy End, was sich letztendlich ganz anders als erwartet entwickelte.

    Ich bin von dem Buch wirklich begeistert. Es ist emotional, fesselnd, spannend und mit Tiefgang. Der Schreibstil ist bildhaft und berührend.

    Jane Austen hat so recht!

    Einfach schön! Berührend, traurig und wunderbar geschrieben! Man möchte selbst alle Städte bereisen, die im Buch genannt werden.

    Ein paar Zitate möchte ich noch mit euch teilen:

    „Julian hat sich entschieden. Für den Roadtrip. Genau genommen für mich.“ (Seite 35)

    „Nur eine Chance, um das perfekte Foto zu machen, weil der Augenblick dann schon vorbei und zum nächsten geworden ist, das ist die Herausforderung, der ich mich stellen will.“ (Seite 62)

    „Wenn das am Ende wirklich alles ist, was uns bleibt, ist es doch mehr, als ich gehofft habe. Fehlst Du mir? Unendlich. Denke ich an Dich? Täglich. Aber die Tatsache, dass mir niemand unsere Erinnerungen nehmen kann, lässt mich dennoch lächeln.“ (Seite 105)

    „Das wird so cool. Du lebst deinen Traum.“ (Seit 197)

    „Kennst du die Doctor Who – Folge mit Van Gogh?“ (Seite 318) <- Ein Doctor Who – Fan!!! 😀

    „Es ist so unendlich anstrengend, normal zu wirken, wenn man die Kontrolle über sich selbst verliert. Ich kämpfe um jedes Lächeln und eine entspannte Sitzhaltung. Vor allem aber kämpfe ich um eine ruhige Atmung.“ (Seite 355)

    „Ich habe all diese Gefühle so lange ausgeblendet, bis ich geglaubt habe, sie wären gar nicht mehr da. In Wahrheit war aber ICH nicht mehr da.“ (Seite 397)

    „Obwohl ich weiß, dass mein Weg deutlich länger sein wird, als nur runter bis zum Strand, habe ich jetzt doch den ersten Schritt getan. Zu lange habe ich auf Scherben gestanden. Es wird Zeit, wieder loszulaufen.“ (Seite 398)

  • Rezension: Der Tag, an dem ich David B. ermorde von Lola Victoria Abco

    Rezension: Der Tag, an dem ich David B. ermorde von Lola Victoria Abco

    Klappentext:

    Was geschah in Dover? 

    Eine mäßig erfolgreiche Autorin will ihr Wissen über ein Verbrechen nutzen, um in die Bestsellerlisten zu kommen. Ahnungslos sticht sie in ein Wespennest. Frustriert über ihren Misserfolg schickt Julia Melchior verschlüsselte Botschaften an ihre frühere Schulfreundin. Der heutige Weltstar empfängt sie daraufhin in ihrer Pariser Hotelsuite. Julia behauptet, Desiree Lincoln habe ihren Vater ermordet. Sie will Desiree dazu bewegen, ihrer Karriere auf die Sprünge zu helfen. Desiree reagiert amüsiert auf Julias Erpressungsversuch. Wieder zu Hause in Hamburg bekommt Julia jedoch die Tragweite ihrer Behauptung zu spüren. Zu spät fragt sie sich: 
    Wer hat den Mord wirklich begangen?

    Link zum Buch

    Meine Meinung:

    Die Geschichte wird hauptsächlich aus der Sicht von Julia erzählt, Autorin von Kriminalromanen. Dabei gibt sie dem Leser Einblick in das Manuskript, das auch titelgebend für diesen kurzen Roman ist, und erläutert, wie sie zu ihrer Buchidee kam, indem sie aus ihrer Vergangenheit erzählt.

    Man fliegt nur so durch die Seiten, da man wissen will, was wirklich passiert ist. Die Abschnitte, die in Julias Gegenwart spielen, lösen dabei nach und nach das Geschehen auf, um am Ende doch noch mit einer überraschenden Wendung aufzuwarten.

    Als Leser wird man aber bis zu einem bestimmten Maß im Unklaren gelassen, wie sich alles wirklich zugetragen haben könnte. Es bleibt so dem Leser überlassen, sich ein Bild von den Ereignissen zu machen.

    Der Schreibstil ist angenehm und flüssig lesbar. Es ist ein kurzer, aber knackiger Krimi mit Thriller-Potenzial.

    Ein tolles Buch, das man sehr gut zwischendurch mal „weg lesen“ kann.

  • Rezension: Mine von Myriam Brixton

    Rezension: Mine von Myriam Brixton

    Klappentext:

    Jonathan ist mächtig. Jonathan ist skrupellos. Jonathan ist reich. Sex ist für ihn ein Ventil, um neue Kräfte zu tanken. Kräfte, die er braucht, um seine undurchsichtigen Geschäfte, seine Karriere und seinen Machteinfluss voranzutreiben. Er benutzt Frauen, ohne auch nur das Geringste für sie zu empfinden – bis er auf Isabell trifft. Sie ist klug, schön und eine Kämpferin. Isabell möchte studieren und sich ein Leben in Würde und Freude zurückerobern. Ein Leben, das sie durch einen tragischen Schicksalsschlag verloren hat. Dafür ist sie bereit, ihren Körper zu verkaufen.
    Jonathan gabelt die junge Frau von der Straße auf und nimmt sie unter Vertrag. Ihr Körper gehört fortan ihm. Im Gegenzug dazu finanziert er ihr Studium und stellt ihr eine Wohnung zur Verfügung.
    Nur Jonathan ist ihr Körper vorbehalten. Sie ist sein Spielzeug, das er mit niemand anderem teilen will.
    Doch bald schon bemerkt Jonathan, dass Isabell anders ist. Dass sie ihn verändert und seinem Herzen gefährlich nahe kommt.
    Isabell wird für Jonathan zur Bedrohung, der er mit roher Gewalt begegnet.
    Wird die junge Frau es schaffen, ungebrochen aus diesem Deal hervorzugehen?

    Diese Ausgabe ist vollständig, unzensiert und enthält keine gekürzten erotischen Szenen.

    Meine Meinung:

    Ich habe das Buch vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen. Dies hat meine Meinung nicht beeinflusst.

    Ich muss gestehen, dass ich hin und her gerissen bin, was diese Geschichte angeht. Einerseits fand ich es anfangs grässlich, vor allem, was die 10-jährige Isabell erlebt hat, aber auch, wie Jonathan mit Frauen umgeht.
    Andererseits hat mich das Buch irgendwann gepackt und ich konnte es nicht mehr weg legen.
    Die Feministin in mir tobte beim Lesen der widerwärtigen Praktiken, die Jonathan mit Frauen auslebte.
    Aber ich war auch von Isabells Geschichte fasziniert. Eine Frau, die so jung schon ganz auf sich selbst gestellt ist und sich ihren Schulabschluss erkämpft und dann unbedingt studieren will, um sich ein besseres Leben aufzubauen, ließ mich zwischen Mitleid und Respekt schwanken. Teilweise war ich fassungslos, wie naiv sie einfach losspazierte, um in möglichst kurzer Zeit, möglichst viel Geld für das Studium zu verdienen. Teilweise freute ich mich aber auch mit ihr, wenn sie wieder einen Schritt weiter gekommen war.

    Es gibt im Buch keine Kapitel, die jeweiligen Abschnitte wurden in verschiedenen Schriftarten dargestellt: Jonathan erzählte aus seiner Sicht in Kursivschrift, damit fängt das Buch auch an; Isabell erzählte ihre Geschichte in normaler Schrift. So wusste ich immer, wer gerade erzählte. Die Abschnitte gingen teilweise fließend ineinander über. Manchmal wurde eine Szene aus beiden Sichtweisen erzählt, so dass man immer genau wusste, was die Protagonisten gerade dachten und taten.

    Der Schreibstil selbst gefiel mir. Die Autorin erzählt fesselnd und bildhaft, was bei manchen Szenen fieses Kopfkino auslöste.
    Jonathan ist machtbesessen, brutal und pervers. Frauen sind für ihn nur Objekte, die er zu seiner Befriedigung benutzt und dann wieder fallen lässt. So einem Mann möchte ich wirklich niemals ausgeliefert sein. Dennoch weckt Isabell in ihm eine Art zarte Seite, die ihn völlig unvorhersehbar handeln lässt. Mal beschenkt er Isabell, mal vergewaltigt er sie. (Man muss es so klar sagen, weil nicht alle Leser solche Szenen lesen möchten.)

    Das Buch ist abstoßend, unbarmherzig, fesselnd und dann wieder berührend, tragisch und hoffnungsvoll.
    Das Ende sehnt man geradezu herbei und ist dann doch überrascht, wenn das Buch auf einmal ausgelesen ist. (Man erwartet irgendwie immer noch eine furchtbare Katastrophe.)

    Allerdings fällt das Buch für mich nicht in das Genre SM.
    SM setzt immer zwei gleichberechtigte Partner voraus, die beide wissen, worauf sie sich einlassen und dieses auch wirklich wollen. Außerdem gibt es beim SM klare Grenzen, die in diesem Buch alle permanent überschritten werden.
    Von der psychologischen Warte ist das Buch aber durchaus faszinierend. Wie gesagt, ich war hin und her gerissen und konnte das Buch ab einer bestimmten Stelle nicht mehr weg legen, weil ich einfach wissen wollte, wie es endet. Wahrscheinlich spricht es eine dunkle, voyeuristische Seite in mir an.

    Zartbesaiteten Menschen kann man das Buch auf keinen Fall empfehlen. Auch wer Romantik und ansprechende Erotik erwartet, wird in diesem Buch enttäuscht werden. Wer mal in die Abgründe der menschlichen Gesellschaft schauen möchte, kann bei diesem Buch zugreifen.

  • Rezension: Hautfreundin. Eine sexuelle Biografie von Doris Anselm

    Rezension: Hautfreundin. Eine sexuelle Biografie von Doris Anselm

    Klappentext:

    Gibt es noch schmutzige Worte? Hilft fesseln gegen Traurigkeit? Besitzt ein Mann mit einer schönen Stimme auch eine schöne Zungenspitze? Kann man zu zärtlich sein, wenn man bloß eine Affäre hat? Und gedeiht im Unanständigen vielleicht ein besonderer Anstand? – Sie ist eine Frau, die Sex mag und seltsame Fragen, ihre eigene Haut und die Haut ganz verschiedener Männer. Direkte Berührung ebenso wie den Salto ins Fantastische. Sie flirtet lieber unterwegs als online, weil sie den kleinen Rausch des ersten Schritts liebt. Ihr Blick auf Sex ist zugleich lustvoll und schräg, präzise und sanft. Die Männer, denen sie nah kommt, gehen ihr nah. Aber worauf steht sie eigentlich selbst? Und wie hat das angefangen? Nach und nach ergeben die Geschichten ihrer hautnahen Begegnungen eine Geschichte: die überraschend glückliche sexuelle Biografie einer freien Frau. So sinnlich erzählt, dass die Sprache selbst Feuer fängt.

    »Die Heldin ihres Romans ›Hautfreundin‹ ist eine große Künstlerin des Spürens und Begehrens.« Uwe Wittstock / Focus (06. Juli 2019)

    Meine Meinung:

    In Hautfreundin erzählt die Protagonistin in loser Folge kurze Episoden aus ihrem Leben, in denen es vornehmlich darum geht, den eigenen Körper zu erforschen und mit verschiedenen Sexualpartnern erotische Freuden auszuleben. Dabei begegnet sie den unterschiedlichsten Männern und lernt, wie erfüllend ein selbstbestimmtes, sexuelles Leben sein kann.

    Mich hat der Klappentext neugierig gemacht, so dass ich das Buch über das Bloggerportal angefragt habe. Ich danke dem Verlag für die Bereitstellung des Buches, was meine Meinung nicht beeinflusst hat.

    In einer Bewertung bemängelt eine Leserin, dass die Protagonistin keine weitergehenden Erfahrungen, wie homoerotische Abenteuer, erlebt. Doch ich muss sagen, dass nicht jede Frau, die sich sexuell auslebt, automatisch auch alle möglichen Spielarten ausprobieren will oder muss.

    Die Autorin schafft es, dass man sich als Leser wohl fühlt. Die Sprache ist leicht und flüssig lesbar, erotisch und schön.
    Mir gefiel vor allem das Kapitel, dass in einer möglichen Zukunft spielt, in der die Menschen durch Geräte permanent miteinander vernetzt sind und so auch potentielle Sexualpartner vorgeschlagen bekommen. Die Protagonistin trifft darin auf einen Mann, der ungern das Gerät benutzt. Ihr Zusammentreffen verändert ihre Einstellung zur vorherrschenden gesellschaftlichen Norm und lässt sie neue Wege erkunden. Aus diesem Szenario könnte man durchaus ein eigenes Buch ausarbeiten.

    Gegen Ende des Buches nimmt sich die Protagonistin eine Auszeit und verbringt einen annähernd sexfreien Urlaub, aus dem sie mit neuer Energie und neuen Plänen nach Hause zurück kehrt, die dann im letzten Kapitel angesprochen werden.

    Das Buch ist vielleicht keine Neuerfindung des Genres Erotikroman, aber man kann sich gut in die Handlung fallen lassen und in die Protagonistin einfühlen. Ein schönes Buch für Zwischendurch.

  • Rezension: Die sexuellen Gefälligkeiten der Lady Julie von Johanna Söllner

    Rezension: Die sexuellen Gefälligkeiten der Lady Julie von Johanna Söllner

    Klappentext:

    Mein Name ist Julie de Abbeyville. Ich bin jung. Ich bin reich. Und ich bin frei. Denn mein Mann Charles ist tot. Er konnte mir nie geben, was ich brauche, besonders in sexueller Hinsicht. Wie oft bin ich schlaflos wach gelegen und habe von lustvollen Liebesspielen geträumt?
    Jetzt lasse ich meine Träume wahr werden. Ich plane eine Reise um die Welt. Ich möchte das pralle Leben erfahren, am eigenen Leib erleben, wie man woanders liebt. Sex in der Hauptstadt der Liebe. Die Geheimnisse des Orients. Und wie war das mit dem Kamasutra? Ich werde hemmungslos sein und keine Erfahrung auslassen, so seltsam oder verwegen sie auch erscheinen mag.
    Ich reise ohne Geld und bin zuversichtlich, dass es überall auf der Welt genügend Gentlemen gibt, die nur zu gern bereit sind, einer hübschen englischen Lady weiterzuhelfen. Selbstverständlich dürfen sie von mir dann auch eine Gefälligkeit erwarten. Möchtest du auch eine Gefälligkeit von Lady Julie? Dann warte nicht und komm …

    Meine Meinung:

    Der Blue Panther Books Verlag sollte mittlerweile allgemein bekannt sein für die unterschiedlichsten Bücher im Erotikgenre. Und als ich gefragt wurde, ob ich nicht mal wieder ein Buch rezensieren möchte, habe ich mich für Lady Julie entschieden, da mir das Cover gefiel und der Klappentext mich neugierig machte.

    Die Bereitstellung des Rezensionsexemplares hat meine Meinung nicht beeinflusst.

    Der Roman spielt im viktorianischen Zeitalter, also zu einer Zeit, als Frauen wenig zu melden hatten, weder als Tochter aus gutem Hause, noch als Ehefrau. So wird Lady Julie von ihren Eltern zu einer lieblosen Ehe gezwungen, in der sie von ihrem wesentlichen älteren Mann nicht liebevoll behandelt wird. Als er dann stirbt, fühlt sich Lady Julie zum ersten Mal frei und hat nicht vor, so bald wieder in den Stand der Ehe zu treten, auch wenn es unüblich ist zu der Zeit, dass eine Frau ohne männlichen Vormund durchs Leben geht. Ganz im Gegenteil, Lady Julie plant eine Weltreise, auf der sie die verschiedenen Arten der körperlichen Liebe kennen lernen will. Und so begleitet der Leser die dickköpfige Lady durch so manches Abenteuer, in dem es auch manches Mal um ihr nacktes Überleben geht.

    Das Buch ist komplett aus der Sicht von Lady Julie geschrieben und der Leser bekommt so manchen Einblick in die Schlafzimmer jener Zeit. Ich hätte mir allerdings an manchen Stellen gewünscht, dass die Lady eine weniger vulgäre Sprache verwendet, auch wenn die Begriffe für diverse Körperteile durchaus fantasievoll gewählt sind. Aber in meinen Augen klingen die Worte aus dem Mund einer Lady reichlich unpassend.

    Dennoch hat mir die Lektüre des Buches viel Freude bereitet. Man merkt der Geschichte an, dass die Autorin viel recherchiert hat, um möglichst nah an den tatsächlichen Ereignissen und Gepflogenheiten jener Zeit zu bleiben. Der Schreibstil ist grundsätzlich flüssig lesbar und die Beschreibungen der Orte und Geschehnisse sind bildhaft und gut vorstellbar.

    Wer kein Problem mit der manchmal vulgären Wortwahl der Protagonistin hat, wird einige anregende Lesestunden mit Lady Julie verbringen können.

  • Rezension: Bad Feminist von Roxane Gay

    Rezension: Bad Feminist von Roxane Gay

    Klappentext:

    Leider liebt sie Rapmusik, das Frauenbild: grauenvoll. Leider liest sie sehr gerne Fashion-Magazine, das Frauenbild: ebenfalls erschreckend. Und ihre Lieblingsfarbe ist leider: pink. In einer Zeit, in der Barack Obama sich als Feminist bezeichnet und sogar Modeimperien den Schriftzug in großer Zahl auf T-Shirts drucken, wahrscheinlich keine gute Idee. Feminismus ist chic geworden und angekommen in der Popkultur. Aber was kann guter Feminismus heute wirklich sein? In ihrem hochgelobten Essayband sprengt Roxane Gay das ideologische Korsett eines guten und starren Feminismus und erklärt sich selbst ironisch zum Bad Feminist – stimmgewaltig, bestechend klug und fern jeder Ideologie unterzieht sie unsere Gegenwart einer kritischen Analyse und zeigt, wie man alles auf einmal sein kann: eine der bedeutendsten Feministinnen der Gegenwart und dabei definitiv nicht perfekt.

    Meine Meinung:

    Wieder bekam ich ein Buch, dass ich über das Bloggerportal von Randomhouse angefragt habe und mir vom Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurde. Dafür möchte ich mich bedanken und betonen, dass meine Meinung dadurch nicht beeinflusst wurde.

    Das Thema Feminismus und Gleichberechtigung rückt immer mehr in den Fokus und es gibt mittlerweile viele Bücher, die sich mit dem Thema auseinander setzen. Darum wollte ich dieses Buch auch lesen. Und weil die Autorin fast in meinem Alter ist und ich mich sicher mehr mit ihr identifizieren kann als z. B. mit jüngeren Frauen, die genau so viel zum Thema zu sagen haben.

    Roxane Gay schreibt für verschiedene Zeitschriften Texte zum Thema Feminismus und hat diese Texte nun in einem Buch zusammen gefasst. Man merkt, dass sie zu verschiedenen Zeiten entstanden, da die Autorin häufig auf aktuelles Zeitgeschehen und gesellschaftsrelevante Themen eingeht. Sie schildert vieles aus ihrer Sicht und lässt auch eigene, häufig auch sehr persönliche und schmerzhafte Erfahrungen dabei in die Essays einfließen. So trifft sie vielleicht nicht die Meinung des Lesers, aber öffnet den Blick auf Frauenthemen auf eine berührende und eindringliche Weise.

    Mir gefällt ihr Schreibstil, wenn ich auch, besonders anfangs, manches Fremdwort nicht verstanden habe, dass die Literaturprofessorin verwendet. Die meisten Texte sind aber leicht verständlich und flüssig lesbar geschrieben, so dass man keine Probleme hat, den Sinn zu erfassen und ihren Worten zu folgen.

    Roxane Gay öffnet den Blick hauptsächlich auf die amerikanischen Hintergründe und die Rolle der Frauen, besonders der afroamerikanischen Gesellschaft in den USA. Es ist ein interessantes Buch, dass ich jedem empfehlen möchte, der sich für die Gleichstellung der Geschlechter in der heutigen Zeit interessiert.